JURI UND DAS ALTLICHT - I
Gefangen in fremden Gezeiten
Kapitel 1
Juri saß auf der zerfallenen Mauer des alten Leuchtturms, sie blickte auf den kleinen unter ihr liegenden Hafen und verzog leicht angewidert das Gesicht. Port Grim, mehr ein Kaff, als eine wirkliche Stadt dachte sie und trotzdem größer als alle anderen Anlegestellen und Häfen an der gesamten maracasarischen Ostküste.
Port Grim war noch nicht mal ein echter Piratenhafen, Juri dachte kurz über ihre Gedanken nach und musste lächeln als sie ihren Gedankengang direkt verbesserte. So ganz stimmt das natürlich nicht, die Geschäfte der Handelsfamilien, die sich hier vor etwas mehr als einem Jahrhundert zu einer Handelsliga zusammen geschlossen hatten, waren schon immer mit denen der Piraten, die vor der zerklüfteten Küste ihr Unwesen trieben verbunden.
Ohne ein Bündnis mit dem damaligen Piratenkönig, wäre es für die Handelsliga gar nicht denkbar gewesen an kleinen Handelsposten zu errichten, aus dem Später der Freihafen Port Grim hervorgehen sollte.
Lange Zeit war dieses geheime Bündnis profitabel für beide Seiten. Die Flotte des Piratenkönigs bekamen mit Port Grim einen Umschlagplatz für ihre Waren und auf wundersame Weise vielen vor allem die Konkurrenten der Handelsliga der besmarischen Piratenbrut zum Opfer. Es war ein Bündnis auf Zeit. Denn den Kolonialherrschern der sechs Königslande war das Treiben der Piraten in der Ostpassage schon längst ein Dorn im Auge. Als das imperiale Königsland Valconnen dann vor vier Jahrzehnten beschloss, Port Grim zu annektieren und zu einem imperialen Außenposten auszubauen wurden die Karten vorübergehend neu gemischt.
Die Handelshäuser Meseidon, Agadarn und Scorn verrieten das Bündnis mit dem Piratenkönig und stellten sich auf die Seite des Imperiums. Sie unterstützen die Jagd auf die Flotte der Piraten und sicherten so dem Imperium ihre Treue.
Während es den Handelshäusern und ihren Familien nicht nur gelang ihren Einfluss unter der Besatzung des Imperiums zu behalten, sondern noch weiter auszubauen, sahen sich die Anhänger des Piratenkönigs mit einer übermächtigen imperialen Flotte konfrontiert. Jene die überlebten flohen in den Schutz der Sturmlords nach Haeven oder segelten tief ins Südmeer, um den imperialen Jägern zu entgehen. Auch der berüchtigte Piratenkönig selbst floh. Mit ihm ein großer Teil seines über Jahrzehnte angehäuften Schatzes. Das unrühmliche Verschwinden des letzten Piratenkönigs von Maracasar hinterließ nicht nur eine hinters Licht geführte Meute aus Freibeutern, die sich von ihrem König verraten und verlassen fühlte, sondern auch unzählige Spekulationen über seinen verbleib.
Ein Dutzend Kapitänas und Kapitäne blieben in den Gewässern der Strasse der Freibeuter und setzen ihren Kampf gezielt und unerbittlich gegen die Handelsflotte des Imperiums fort. Sie kämpften für Gold, aber auch für ihre Freiheit und gegen die imperialen Besatzer.
Die Piraten fanden im Archipel der Gezeiten ihren Unterschlupf, geschützt durch Besmaras Gunst, tückische Riffe, Strömungen, Winde und die Magie der Treibguthexen.
Sieben Kapitänas und Kapitäne überlebten die Zeit der Besatzung und den anhaltenden Kampf gegen das Imperium. Sie waren die erst Generation der sogenannten Gezeitenfürsten, die sich zum Salzwasser Konsortium einten. Das Konsortium war nicht mehr und nicht weniger als ein Piratenbund, in dem alle die gleiche Stimme erhielten und in der es keinen Piratenkönig mehr geben sollte.
Heute 20Jahre nach den Unabhängigkeitskriegen und der sogenannten maracasarischen Befreiung, zu der die Freibeuter und Piraten des Archipels einen wesentlichen Beitrag leisteten, wendet sich das Blatt erneut.
Die Gezeitenfürsten sind in ihr altes Territorium zurück gekehrt. Jüngere sind den älteren und Toten gefolgt und ihre Anzahl hat sich erhöht.
Mit der berüchtigten wie wagemutigmutig Kapitäna Ap’Trion die sich dem Konsortium vor etwa vier oder fünf Jahren anschloss, erhöhte sich die Zahl der Gezeitenfürsten auf Dreizehn.
Die Ap’Trion Hexe war zu einer Legende im Gezeitenarchipel geworden, weil sie den Schatz von Escobar Del’Mar, dem ersten und grausamsten Piratenkönig des Südmeers und mit ihm die verlorenen Insel gefunden hatte.
Juri dachte über ihre Beziehung zu halbelfischen Ap’Trion Hexe nach, sie hatte sie weniger als ein halbsdutzend mal getroffen, kaum ein Wort mit ihr gewechselt und doch etwas gespürt das sie Verband. Juri verfolgte den Gedanken nicht weiter und kehrte mit ihren Gedanken ins hier und jetzt zurück.
Die heutigen Gezeitenfürsten sind fest entschlossen, die Handelshäuser von Port Grim an den alten Bund zu erinnern. Die jüngsten Schicksalsschläge des kleinen Hafens haben gezeigt, wie Abhängig Port Grim in Krisenzeiten auch vom Wohlwollen des Salzwasser Konsortium ist. Und auch wenn es den herrschenden Häusern von Port Grim erst langsam dämmern mag, die Winde der Veränderung kommen und sie kommen in kräftigen Boen. Anders als die Erben der herrschenden Häuser haben die Gezeitenfürsten den Verrat nicht vergessen.
Juri wendet ihren Kopf und richtete ihren Blick verträumt aufs Meer hinaus, vor ihr lag eben jene gefürchtete Meerenge, die Ostpassage, die das Meer der Stürme und das Südmeer verband.
Aus nautischer perspektive war es der ruhigste und auch kürzeste Seeweg zwischen den Königsländern im Norden und den fremden Küsten des Südmeers. Das hieß natürlich nicht, das es auch die sicherste Passage war.
Juri grinste, das gesetzlose Gesindel und Lumpenpack der Meere, zu den Juri sich nicht ohne einen gewissen Stolz auch zählte, hatte diese günstigen Gewässer erneut für sich in Anspruch genommen. Durch ihre Anwesenheit füllten die Gezeitenfürsten, die Ostpassage, mit neuen Schrecken, so dass die Straße der Freibeuter ihren Namen heute wieder zurecht trug.
Juri blickte von ihrem Aussichtspunkt, auf einem der zerfurchten Steinquader am oberen Rand der alten Mauerruine, in die Tiefe. 15 Schritte unter ihr lag der schroffe, graue Fels der Klippe, die sich von Port Grim aus Richtung Küste erhob und dann Steil ins Meer abfiel. Schon am Fuß der Grundmauern des Altlichts, konnte man gut auf Port Grim herunterschauen, von hier oben war es beinah Atemberaubend.
Juri mochte den Namen Altlicht sehr, er hatte was würdevolles und mystisches zugleich.
Den Gerüchten zur Folge wurde das alte Licht lange vor dem Erdenfall erbaut und die Grundmauern hatten Jahrtausende überdauert. Nach Juris Kenntnis gab es nie wirklich ein Licht das als Signal funktioniert hatte, zumindest nicht in ihrem Zeitalter, trotzdem diente das Altlicht schon seit jeher Seefahrenden, die den Winden der marcasarischen Küste folgten, als sichere Landmarke und wies den natürlichen Hafen und den Zufluss des Turanda-Rok aus, der begehrtes Süßwasser in die Bucht von Port Grim spülte.
Für die Bewohner Port Grims, das hatte Juri schnell begriffen, war das Altlicht zu mehr als einer Landmarke geworden. Viele Gerüchte und Geschichten rankten sich, mystischem Seemansgarn gleich, um die hohen Mauerruinen aus Basaltquadern. Nicht zuletzt, befeuert durch den Angriff der Steinriesen, vor einigen Monaten, die es auf den Grundstein des Altlichts abgesehen hatten. Angeblich, um dem Quader selbst ein uraltes Geheimnis zu entreißen.
Glaubte man also den neusten Gerüchten der Gassen, soll das Altlicht gar kein Leuchtturm gewesen sein, sondern eine Äonen alte Kriegsmaschine. Hundert Schritt hoch, mit einem Glutkern der aus den Urfeuer der sieben Höllen gespeist wurde. Es hieß, dass sie das Altlicht in der Zeit vor der Zeit als Höllenfeuernadel bezeichneten. Angeblich waren diese Höllenfeuernadeln in der Lage gewesen, Feuerlanzen aus konzentriertem Höllenfeuer über irrsinnige Entfernungen zielgenau zu verschießen.
Juri mochte diese Art von Geschichten, zeigten sie doch, das selbst die raubeinigstens Bewohner sich im Grunde auch nur wünschten, dass es etwas gab, was ihren Heim und Herd beschützte.
Eine kräftige Böe zerzauste Juris strähniges schwarzes Haar, als sie skeptisch ihren Blick auf die Gassen von Port Grim richtete. Lag ihr Schicksal wirklich irgendwo dort unten? Verborgen zwischen all dem Dreck und Unrat der verwinkelten Hafengassen? Konnte es sein, dass Besmara, die zügellose Göttin der Piraten und Juris Idol seit Kindertagen ihr Schicksal wirklich hier verankert hatte? Die Wege der unbeherrschbaren Königin der Piraten waren so unergründlich wie die Tiefsee. Es mochte so sein oder auch nicht, herausfinden würde Juri es nur, wenn sie sich danach umschaute.
Die Sonne senkte sich bereits und die Berggipfel begannen lange Schatten auf die immer grünen, kaum zu durchdringenden Urwälder zu werfen. Der Immerwald zog sich von den Stadtmauern Port Grims bis zum Horizont an den Fuß der schwarzen Berge. Nebelschwaden stiegen auf und mit der Dämmerung erwachte der Dschungel hörbar zum Leben.
Juri dankte insgeheim Iladrin, der Göttin der Städte, für die Erfindung der Stadtmauer. An sich konnte Juri mit der Göttin der sogenannten Zivilisation nur wenig anfangen, die Eingebung Städte mit Mauern zu umgeben war für Juri jedoch eine göttlichen Gnade, für die sie wirklich dankbar war.
Juri mochte weder das undurchsichtige und schwüle Dickicht des immer grünen Dschungels, noch die furchteinflößende Vielfalt an Geräuschen, die aus seinem Inneren hervor drangen. Bei dem Gedanken was alles in diesem überwucherten, verästelten und von Ranken verwobenen Land kreuchte und fleuchte lief es ihr kalt den Rücken runter.
Es hatte schon seinen Sinn, das Stadtmauern zum Meer hin offen und zum Land hin geschlossen waren, dachte sie. Bei dem Gedanken sog Juri die frische Seeluft kräftig ein und zog allen Rotz geräuschvoll aus Nase und Mund im Rachen zusammen, nur um einen Augenblick später einen schleimigen Kropf geräuschvoll auszuspeien. Das sollte helfen die beängstigenden Gedanken los zu werden. Nach dem sie unter lautem Knattern ein paar Darmwinde gegen die Seeböhen setzte, verschwanden auch die letzten düsteren Gedanken auf wundersame und vergnügliche Weise.
Juri beschloss die Gunst der untergehenden Sonne zu nutzen und machte es sich auf den von der Sonne aufgeheizten Steinquadern bequem. Das Altlicht war einer der wenigen Ort in Port Grim, wo sie Ruhe vor dem alltäglichen treiben des Hafenstädtchen fand und auch wenn sie den Tumult in der Spelunke zum rostigen Drachen ebenfalls genoss, mochte sie die Abgeschiedenheit und das alleine sein ebenso sehr. Also schloss sie die Augen und ließ sich die warmen Abendwinde durchs Gesicht wehen. Mit dem geräuschvollen Krachen der Wellen an die Klippen weit unter ihr entglitt sie der Wachwelt und viel in einen erholsamen Schlaf.
Kapitel 2
Es waren nicht die stürmische Böen, die Juri aus ihrem Schlaf erwachen ließen, sondern die ungewöhnliche Stille. Weit entfernt davon wirklich wach zu sein und gleichzeitig das Gefühl zu haben, dass etwas nicht stimmte, ließ Juris Blick orientierungslos umherschweifen. Die Sonne war bereits aufgegangen und blendet den langsam aufflammenden Verstand, der nicht richtig erwachen wollte und es doch irgendwie tat.
Das was Juri sah als sich ihr Blick unter den Lichtverhältnissen langsam klärte, entsprach trotzdem in keinster weise dem, was sie erwartet hatte zu sehen. Juri spuckt aus und stieß leidenschaftlich einen Brisenfluch aus, beides half ihr ihren Verstand zu klären.
Sie befand sich wie erwartet noch immer auf dem Altlicht, nur nicht mehr da, wo sie eingeschlafen war, sondern in einem wesentlich luftigerem Bereich. Juri war nicht schlecht im Schätzen von Entfernungen und Höhen, das hatte sie sich in ihrer Zeit auf See angeeignet - als sie jetzt jedoch über den Rand des Turm in die Tiefe blickte, entfuhr ihr ein überraschtes Keuchen und ihr viel es sichtlich schwer zu sagen, ob sich der felsige Klippenboden, der das Fundament des Altlichts bildete, fünfizg oder gar siebzig Schritte unter ihr befanden. Viel zu weit oben dachte sie nur. Viel zu weit.
Das war das erste was sie nicht erwartet hatte, das zweite was ihr Verstand nicht realisieren wollte, war der Moment, als sie Begriff, das sie nicht mehr auf den breiten Mauern einer Ruine stand, sondern zwischen den gewaltigen Zinnen eines völlig intakten Bauwerks. Es war größer als alles was sie kannte. Zugegeben, Juris Kenntnisse im Bezug auf Bauwerke war so hoch wir ihr Interesse an der Baukunst selbst und da mochte Maracasar noch so sehr von den Monumenten eines vergangenen Zeitalters überzogen sein, es gab wenig was Juri mehr langweilte.
Ein völliges versagen ihres Verstandes setzte jedoch ein, als Juri ihren Blick auf das Meer richtete.
Juri Begriff was sie sah und wusste, was sie hätte sehen und hören sollen. Sie hätte das Rauschen des Meeres und das immerwährende tosen der Wellen, die an der felsigen Küste in eine feine Gischt zerbarsten, hören müssen. Doch was sie hört war: Nichts. Juri wusste das sie nichts hörte, wo sie etwas hätte hören sollen. Sie fragte sich, ob ihre Sinnesorgan beschädigt war. Zeitgleich wurde aus dem Blick den Juri in die Ferne richtete ein zeitloses Starren. Sie schaute dem östlichen Horrizont entgegen, dort wo das Meer hätte sehen sollen, aber was sie sah war ebenfalls nichts. Diese beiden Eindrücke was Juri zu sehen erwartet hatte und was sich wirklich sah, standen in einem so starken Widerspruch zueinander, das Juris denken kurzerhand aussetzte.
Juri stöhnte, als ihr Verstand langsam zu realisieren begann was sie sah. Sie sah das Meer, das kein Meer mehr war. Kein Wasser, keine Brandung die gegen die Klippen schlug. Die Strasse der Freibeuter, jene berüchtigte Passage, die die Meere des Nordens mit dem Südmeer verband und in der das Gezeitenarchipel lag, jenes von Riffen umschlungene Inselachrichipel, wo sie so etwas wie ein Zuhause gefunden hatte, war verschwunden.
Statt dessen blickte Juri auf ein weitläufiges, fruchtbares Tal aus Hügeln und Weinbergen hinab. Mit unterdrücktem Erstaunen erkannte sie einzelnen Gehöfte zwischen den Anhöhen und ein Netztwerk aus breiten Straßen, die sich durch das Tal zogen. Mehr als das leichte säuseln des Windes und entferntes Gezwitscher von Vögeln war nicht zu hören. Es dauerte bis Juri das gesehene verkraftet hatte und es schafft, ihre Gedanken zumindest halbwegs zu sortieren.
Sie wendete sich von dem nicht mehr Meer ab und beschloss zu ignorieren, dass ihr vorgegaukelt wurde, dass das Meer verschwunden war.
Juris Verstand kam zurück, setzte langsam wieder ein und kam zu dem Schluss, das es wichtiger war zu klären was hier gerade passierte und wo sie war - es fühlte sich nicht an wie ein Traum, dafür konnte sie ihre Gedanken, ihre Umgebung und Handlungen zu klar sehen. Wobei sie Geschichten von Anis Vetteln und Alptraumhexen gehört hatte, die Kraft ihrer finsteren Magie Traumreiche zu weben vermochten, die sich anfühlten wie die Wachwelt. Trotzdem erschien Juri das nicht logisch, Alptraumhexen waren selten und ihres Wissen, waren die letzten vor Jahren aus Maracasar verschwunden. Und die Anis Vetteln des Stormval Massivs waren unter die Helden gekommen. Sie kicherte, ließ sich das so sagen, wenn grausame alte Hexenweiber von einer Gruppe von Abenteurern erschlagen wurde. Sie zuckte mit den Schultern. Hexe hin oder her, es gab keinen Grund einer Anis Vettel hinterher zu trauern. Sie waren mit das bösartigste die Hexenwelt hervorbringen konnte.
Vielleicht hatte sie eine Vision dachte Juri, aber irgendwie zweifelte Juri bereits im Augenblick als der Gedanke aufflammte an dieser Überlegung. Genaugenommen hatte Juri nicht wirklich einen Vergleich, aber eine Vision, in der die eigenen Gedanken darum kreisten ob sie eine Vision hatte erschien ihr mehr wie der Scherz einer launischen Göttin.
Juri stockte kurz der Atem, war es das? Trieb die Königin der Piraten einen üblen Scherz mit ihr? Juri zuckte die Schultern undwägte ihre Überlegungen ab, im besten Fall war es vielleicht so was wie eine wirklich, wirklich gute Illusionshexerei, im schlechtesten Fall war sie irgendwie durch die Zeit zurück gefallen, in eine Epoche in der das alte Licht noch nicht ganz so alt war.
Bei den Treibguthexen des Archipels, hatte Juri mal etwas von unterschiedlichen Strömungen der Zeit aufgeschnappt, auf denen einige der Hexen reiten konnten. Juri hatte nie wirklich viel auf diese Geschichten gegeben, den Geschichten gab es in der Welt der Seehexen viele. Im wesentlichen lag es daran, dass Seehexen, anders als ihre Schwestern in den Kernlanden wesentlich abenteuerlustiger und reisefreudiger waren. Sie folgten den Winden und Strömungen des Meeres in fremde Gewässer und schnappten viel sonderbares auf. Und dies war das Garn, aus denen eine Seehexe ihre Geschichten spon.
Unter Seehexen hat sich aus dem Erzählen von Geschichten eine Art Tradition entwickelt. So wurde selbst der unbedeutendsten Geschichte mittels gekonnter Erzählkunst Spannung eingehaucht. Unter den Seehexen denen Juri bisher begegnet war, gab es im wesentlichen zwei Gruppierungen. Der eine Teil ihrer Schwestern hatte die Kunst des Fabulierens zu einer wahren Meisterschaft gebracht, während es sich die Anderen zu eigen gemacht hatten, den sogenannten wahren Kern der Geschichte offen zu legen, was nicht selten zu einem Wettbewerb unter den Seehexen führte.
Juri war auf dem Archipel gewesen als die Seehexen Kapiäna Ap’Trion auf ihre Juris Kapitäna und Mentorin Schattengrund traf. Es war ein legendäres Spektakel gewesen. Während die eine ihre Geschichten verteidigte, in dem sie immer mehr Fabulierungen um den Kern spon, probierte die anderen das konstruierte Gewebe zu zerschneiden und herauszufinden ,was sich wirklich zugetragen hatte. So wurde bei den traditionellen Things der Seehexen viel Hexengarn gesponnen, an dessen Ende es nie eine Gewissheit gab, aber eine ganze Menge was man gehört hatte. Juri mochte diese Tradition ihrer Mütter und Schwestern sehr und sie verstand gut, warum die Erzählkunst eine so hohe Bedeutung unter den Seehexen bekommen hatte.
Ap’Trion behauptete bis heute da es wahr sei, dass ein Mitglied ihrer Crew mit dem gestohlenen Auge des Abyss, Urgunda eine der ältesten Seeschlangen des Südmeers beherrschen konnte. Angeblich hatte Ap’Trion mit der Hilfe von Urgunda die verlorenen Inseln am Mahlstrom wiederentdeckt. Das Artefakt, das sich noch immer im Kopf des Seemans befinden soll, der damals an Ap’Trions Seite segelte, gehörte laut ihrer Erzählung einst dem berüchtigten ersten Maat der Flutdämon. Juri schüttelte bei dem Gedanken an die Geschichte immer noch den Kopf und lächelte. Ausgerechnet der Flutdämon. Diese dreimastige Fregatte galt als eines der Finsterschiffe, die das Südmeer angeblich seit Jahrhunderten kreutzte. Ein Schiff mit einer Seele so finster und kalt,wie die ihrer Kapitäne. Um die Flutdämon rankten sich unzählige düstere Schauergeschichten, so düster das man sie besser den Kindern nicht erzählte. Ap’Trion hatte diese Geschichten einfach in ihre eigene eingeflochten und ihre Schwestern waren der Kapitäna gnadenlos auf den Leim gegangen.
Juri biss sich auf die Zunge und der Schmerz holte sie zurück ins hier und jetzt.
Für abschweifende Gedanken war jetzt keine Zeit. Juri Atmete tief ein, besmarischer Pragmatismus war das einzige was jetzt half, Juri zwang sich zu fokussieren, weniger denken, mehr handeln. Sie warf eine Goldmünze über die Zinne und bat die Königin der Piraten ihr beizustehen und wendete sich dem Zentrum des Turms zu.
Die von mächtigen Zinnen umgebene höchste Ebene des Trums maß gute 25 Schritt, Juri kannte sich nicht wirklich aus, aber es erschien ihr wie eine gewaltige Spanne für ein Bauwerk dieser Art. Beeindruckt von dem Platz den die Plattform des Turms bot und den ogergroßen Zinnen, wurde Juris Blick dennoch magisch von dem trichterförmigen Schacht im Zentrum des aus Basaltquadern bestehenden Turmplateaus angezogen. Der Schacht, der gute zehn Schritte durchmaß und sich Trichterförmig auf etwa sieben Schritt verjüngte, bevor er in eine von Schwärze erfüllte bodenlose Tiefe viel, umgab eine unheilvolle wie einschüchternde Aura. Die Tiefe des Schachts löste in Juri eine seltsame Faszination aus, aus der der Wunsch erwuchs, sich in die Tiefe stürzen zu wollen. Der Wunsch der in ihr Keimte erschien Juri nicht beängstigend, sonder als eine friedvolle Option des Moments.
Bevor sie diesem aufkommenden Verlangen weitere Aufmerksamkeit widmete wurde sie jedoch von einem weiteren Anblick abgelenkt, der beinah eben so beeindruckend war. Juri sah zu der gewaltigen sieben Schritt durchmessenden Scheibe, die unbeweglich zehn Schritt oberhalb ihres Kopfes, in einem leicht geneigten Winkel zentral über dem Schacht schwebte. Der metallische Glanz und die krisalline Struktur dieses Objekts, das wage an einen überdimensionierten Spiegel erinnerte waren für Juri fremd und warfen eine ganze Reihe von Fragen in ihrem Kopf auf.
Bevor sie sich diesen Fragen aber im einzelnen stellen konnte zog das Loch in der Mitte des Turm erneut ihre Aufmerksamkeit auf sich. Juri ging auf die Öffnung im Boden zu, fast schon ein bisschen abwesend und blieb erst stehen, als ihre festen Lederstiefel, die kleine Erhöhung am Rand des Loches berührten. Sie blickte in den steilen Trichter und den darunter liegenden Schacht. Wieder verspürt sie den Sog der Tiefe und den damit einhergehenden Wunsch, sich in den undurch-dringlichen schwarzen Abgrund fallen zu lassen. Der Wunsch war nicht sehr stark, schien gerade so am Rande ihres Bewusstseins zu existieren, aber dennoch war er da.
Problemlos wischte Juri den Sog der Tief aus ihren Gedanken und widmet sich der ungewöhnlichen Architektur. Sie probierte zu ergründen, was sie da eigentlich sah. Die Röhre, die vom Mittelpunkt der obersten Ebene des Turms steil in die Tiefe führte, ähnelte irgendwie einem Brunnenschacht. Juri fragte sich wie man einen solchen Schacht wohl bezeichnen sollte. War es am Ende eine Art Brunnenturmschacht? Der konische zulaufende obere Teil, konnte durchaus für eine Art Trichterfunktion gedacht sein, die Blutwind auf der Juri unter Kapiäna Schattengrund gesegelt war, hatte solche Trichter aus Segeltuch genutzt, um Regenwasser aufzufangen. Irgendwie erschien es ihr aber Absurd, einen solchen Aufwand in den Bau eines Turmes zustecken, nur um darin Wasser zu sammeln. Ein Wasserturn? Wofür sollte das gut sein? Zur Löschung des angeblichen Höllenfeuers, das im inneren schlummerte?
Nachdenklich betrachtete Juri die schwebende Scheibe aus Metalkristall, die in ungreifbarer Höhe über dem Turm schwebte. Sie hatte Geschichten aus dem fernen Daragesch gehört, wo das Licht der Sonne mit glänzenden Metallscheiben eingefangen wurde und so über eine ganze Reihe von Scheiben an dunkle Orte gelenkt werden konnte. Juri fragte sich zwar, warum die Menschen des Wüstenlandes nicht einfach eine Fackel entzündeten, aber sie wollte sich nicht anmaßen zu urteilen, die Darageschi würden schon ihre Gründe haben.
War die Scheibe und der Schacht also dazu da Licht ins Innere des Turmes zu bringen und war der Turmschacht eher eine Röhre für das Licht der Sonne? Juri betrachtete das undurchsichtige bis schwach durchscheinende Gestein des Turmschachts, es unterschied sich sowohl in der Struktur als auch in der Farbe von dem restlichen Gestein des Turms. Die Oberfläche war glatt, fast wie Glas, leicht durchscheinend und darunter lag ein tiefes schwarz. Anders als der restliche Turm konnte Juri keine Fugen erkennen, es erschien ihr fast so, als würde der Turmschacht aus einem Stück bestehen. In Juris Gedanken verbanden sich die verschiedenen Eindrücke und Ideen. Genau genommen war Schacht eine viel zu neutrale Bezeichnung für das was sie hier vor sich sah. Wesentlich passender fand sie den Begriff Schlund, auch weil sie beim Anblick etwas empfand, von dem sie das Gefühl hatte, dass es sie verschlingen wollte.
Juri fragte sich ob die Runenherrscher die Idee gehabt hatten, das Licht der Sonne zu bündeln und einzufangen. War das möglich? Vielleicht nicht mit einem Turm aber mit vielen? Sonnenlichtschlünde, war es das was die Türme waren? Juris Gedanken kreisten und sie sah eine Welt der Dunkelheit, in der die Runenherrscher das Licht der Sonne den Menschen vorenthielten. Wie würde eine solche Welt aussehen? Hatte es nicht eine Epoche der Finsternis gegeben? Eine tausendjährige Dunkelheit, Juri war sich fast sicher davon gehört zu haben und fluchte das sie es nicht mehr Zusammen bekam.
Juri verließ ihre Gedankenspirale und kehrte zu dem zurück was offensichtlich war. Das Meer war fort, das umliegende Land hatte keine Ähnlichkeit mit der Küste Maracasars, die Juri ihr Zuhause nannte. Es war nicht mal mehr eine Küste. War sie also in einer Zeit vor der Zeit der Dunkelheit gestrandet? Oder, ein neuer Gedanke keimte in ihr auf, hatte sie in der Gesellschaft der Abenteurer nicht davon gehört, dass es angeblich mehrere Türme dieser Art gegeben hatte. War es möglich das sie all ihre Ideen und Spekulationen über Träume, Visionen und Illusionen über denn Haufen werfen musste?
War sie möglicher Weise aus unerklärten Gründen mit einem den alten Steinen innewohnenden Teleportationszauber zu einem der anderen Türme versetzt worden, einem der die Jahrtausende überdauert hatte? Das würde auch erklären warum von Zeit zu Zeit Menschen am Altlicht verschwanden, auch solche Geschichten hielten sich in den Gassen von Port Grim, wie Schuppen in der Haaren.
Gut, zu den bereits entworfenen Theorien und Spekulation gesellten sich also weitere. Juri verdreht die Augen, um ihrer selbst willen sollte sie damit aufhören. Wirklich Auflösen ließ sich das ja doch nur und das war Juri auch klar, wenn sie einen Weg nach unten finden und den Turm verlassen konnte. Juri stand auf und sah sich um, ob es neben dem Schlund noch einen anderen Weg in den Turm gab?
Die oberste Ebene war schnell abgeschritten, aber einen wirklich offensichtlichen Abgang oder sowas wie eine Treppe oder Falltür ins Innere war nicht zu erkennen. Juri schritt die westlichen Seite des Turmes ab und ließ ihren Blick über die Zinnen schweifen. Die Bergsilhouette die sie am Horizont sah, hatte durchaus eine grobe Ähnlichkeit mit den schwarzen Bergen, die man von Port Grim aus zusehen waren. Sicher war Juri sich aber nicht, vor allem weil der gewaltige Felsmonolith fehlte, der westlich von Port Grim aus dem Dschungel ragte und von den Bewohnern mit dem abschreckenden Namen Teufelsplateu getauft worden war.
Einem Impuls folgend kletterte Juri auf die mächtigen Zinnen. Innerlich verfluchte sie sich, dass nicht schon wesentlich eher gemacht zu haben. Juri richtete ihren Blick auf den Fuß des Turms,der dem Land zugewandt war.
Ein Laut der Überraschung fuhr über ihre Lippen. Sie blickte zwar nicht auf Port Grim, was sie auch nicht erwartet hatte, aber sie Blickte auf eine Festungsanlage von beachtlicher Größe. Die Festung, mit ihren fremdartigen Bauten nahm die Fläche ein, auf der sich in ihrer Erinnerung Port Grim ausbreitete. Genaugenommen ging sie noch darüber hinaus. Juri staunte über die Ausmaße und die Bauweise der zum Teil gewaltigen Gebäudekomplexe. Unverhofft gab es in ihrem Verstand ein erkennen. Eines der Gebäude war der Gezeitentempel. Zumindest damit war Juri sich, in diesem ganzen Szenario das ihren Verstand verwirrte, sicher. Der gewaltige Komplex, der Port Grim an seinem südlichen Ende dominierte hatte so starke Charkertistika, das Juri trotz ihrer beschränkten Kenntnisse der Baukunst sich sicher war, dass es sich um ein und das selbe Gebäude handelte. Die Komplex des Tempels war umgeben von anderen Bauwerken, darum hatte Juri ihn nicht auf an hieb erkannt und auch die Dachkuppeln waren anders, sie schimmerten in einem metallischen zornesrotem Ton.
Das Sprach nun völlig gegen ihre eigene, gerade eben erst entworfene Teleportationstheorie. Juri seufzte was bei allen Treibguthexen ging hier nur vor?
Lange blickte Sie auf den Festungskomplex unter sich und tatsächlich entdeckte sie vereinzelt menschengroße Gestalten, die sich zwischen den Gebäuden bewegten. Tatsächlich gab es aber eher wenige offene Plätze oder Wehrgänge, die es ihr ermöglicht hätten, mehr zusehen. Das Leben schien sich eher im Inneren abzuspielen oder sogar Unterhalb, hatte ihr Aurelia nicht was von unterirdischen Gewölben erzählt, die unter Port Grim verliefen? Wenn Juri sich die Festungsanlage ansah musste es ein gewaltiger Komplex sein, der da unter Port Grim ruhte. Sie grinste, das würde sie sich merken für den Fall das sie ihren Weg zurück fand.
Aufgrund der Höhe ihres Standortes blieb es Juri verwehrt mehr Details zu erkennen, dennoch viel ihr auf, dass die Bauten der Festung überdimensioniert Groß sein mussten, zumindest wenn sie diese in Bezug zu der geschätzten Größe der Menschen setzte.
Bevor sie sich wieder in den lysianassischen Gedanken- und Theorieströmungen verfing, beschloss Juri sich erneut zu fokussieren. So gerne Juri den Lehren ihrer spirituellen Mentorin auch folgte und Situationen analysierte, durchdachte und abwägte, wollte sie sich dem gerade nicht hingeben. Die Antworten auf ihre Fragen lagen nach wie vor am Fuß des Turmes und nicht hier oben. Also sprang sie von den Zinnen zurück aufs Plateau. Und setzte ihre Suche fort.
Ein großes leeres Plateau mit einem Loch in der Mitte, es war was es war, daran änderte auch ihre Suche nichts. Juri dachte kurz über ihre Hexenzauber nach. Es lag in der Tradition der Seehexen, dass sie das Wasserweben konnten und Juris aquatische Blutlinie gab ihr darüber hinaus die Fähigkeit eine Wassergestalt anzunehmen, die ihrer menschlichen Gestalt glich. Juri hatte eine sehr enge und vertraute Verbindung zu ihre Wassergestalt. Für Außenstehende mochte es wie ein auf Elementarmagie basierendes Zauberwirken aussehen, für Juri war es eher wie in ihre zweite Gestalt zu gleiten.
Es war selbst für Juri schwer zu beschreiben, aber nie fühlte sie sich Lysianassa näher als in dieser Gestalt, die ihr Geburtsrecht war. Zum ersten mal hatte sie sich in der Lagune der sieben Farben völlig unkontrolliert Verwandelt, als sie unfreiwillig über die Reling der Blutwind stürzte. Larossa Schattengrund, die Kapitäna wurde so auf ihre Gabe aufmerksam und lud Juri ein von ihr zu lernen. Später hatte Schattengrund ihr zwar erzählt, dass sie schon bei Juris erstem Betreten der Blutwind gespürt hatte, dass Juri einer besonderen Blutlinie entstammte, aber wer konnte sagen ob stimmte, was die rauflustige Piratenhexe von sich gab. Schattengrund erzählte viel. Vieles davon war wahr, vieles aber auch nicht.
Seit dem waren Jahre vergangen und trotzdem stand Juri noch ganz am Anfang, was das Ausschöpfen der Fähigkeiten ihrer Wassergestalt anging. Es war ein bisschen wie wieder ein kleines Kind zu sein und durch ausprobieren und handeln zu lernen, welche Möglichkeiten der eigenen Körper zu bieten hat. Bis weilen war es durchaus frustrierend, auch weil Juri soviel weniger Zeit in ihrer Wassergestalt verbrachte. Schattengrund und später auch die Treibguthexen hatten sie ermahnt, es mit Ruhe und Zeit anzugehen. Auch oder vielleicht vor allem, weil die reale Gefahr darin bestand, dass man seine fleischliche Gestalt verlieren konnte, wenn man zu viel Zeit in seiner aquatischen Form verbrachte. Aber war das wirklich so schlimm, welchen Vorteil hatte es wenn man sich die Knochenbrechen konnte und jeden Tag Scheißen musste. Juri musste lächeln, hört sie gerade Motte aus sich sprechen? Erinnerte Mottes unbändige Gier nach Wissen nicht in vielen Punkten auch ihrer eigenen? Und ermahnte sie Motte deshalb so oft, um sich auch selbst daran zu erinnern. Juri war froh das sie nicht an Mottes stelle war und sich selbst als moralischen Kompass erleben musste.
Ihr junges und ihr jetziges Ich wären schier aneinander Verzweifelt. Juri wusste das Motte ihr nicht alles sagen würde, probieren würde im Geheimen seine eigenen Grenzen zu finden, egal was die Erwachsenen sagen. Sie hätte es ..., Juri korrigierte sich, ... hat es nicht anders gemacht. Es war einer der ältesten Wettbewerbe der Welt, nur spielte sie dieses mal auf der anderen Seite. Und Juri nahm sich vor Motte ein ebenbürtiger Gegner zu sein, wollen doch mal sehen wie gut sich ein spitzbübischer Schattenweber Lehrling gegen eine junge Piratenhexe behauptete.
Juri bis sich auf die Zunge bis sie Blut schmeckte, es war erstaunlich wie oft ihre Gedanken abschweiften. Turm, Wassergestalt, Schlund - Ja oder Nein? Juris zwang ihre Gedanken zusammen. Sie konnte den Trichter herabgleiten, da aber ihr aquatisches Ich den Gesetzen der Natur ebenso unterworfen war, wie das Wasser selbst, würde sie dann genauso in die schwarze Tiefe des Schlunds stürzen wie in ihrer jetzigen Form.
Da Juri weder wusste wie tief der Schlund war, noch was im inneren wartete, war dies ein eher fragwürdiges Unterfangen, mit einigen ungewissen bis äußerst suboptimalen Komponenten. Sie wusste nicht was passierte, wenn sie in ihrer aquatischen Gestalt die maximal angenommene Höhe von Siebzig Schritt bis zum Boden des Turmes stürzte. Es erschien ihr logisch, dass sie am Boden gischtartig zerplatzen würde. Die Frage war aber ob sie dann, nach einiger Zeit zusammen laufen würde, so wie Wasser es für gewöhnlich tat. War es möglich sich in einer Pfütze ihrer selbst zu sammeln? Sie neigte dazu es zu probieren, als ein ihr bekanntes neckisches Gesicht eines Schattenwebers in ihren Gedanken auftauchte, das eifrig und zustimmend nickte offensichtlich mit der Absicht sie zu diesem Schritt zu ermuntern.
Augenblicklich brach sie die Transformation ab. Wenn Motte dem so unbeschwert zustimmen würde, war es Grund genug erst mal Abstand von der Idee zu nehmen.
Trotzdem griff sie in die arkanen Strömungen und webte eine kleine Hexerei, Juris Augen wurden zu tief blauem Wasser - Lysianassas Blick der tiefen See - half arkane Gewebe zuerkennen. Und als Juri die oberste Ebene des Turms erneut abschritt fand sie im nördlichen Bereich zwischen Schlund und Zinnen ein ebensolches Gewebe, ein kaum einen Schritt durchmessender Kreis.
Juri schritt in das astrale Konstrukt hinein, eigentlich, um es genauer zu Untersuchen. Bevor sie allerdings dazu übergehen konnte, wurde der Zauber der in dem Gewebe um das Konstrukt lag schon aktiviert.
Juri sah noch wie ein Netz aus arkane Linien sich um sie herum spon, die verästelten Adern des Netzes durch arkane Energie pulsierten und in dem Bruchteil eines Moments zu gleißendem Licht explodierten. Dann stand Juri leicht verwirrt und blinzelnd im inneren des Turms. Ihr von Überraschung verzehrtes Gesicht blickte in das Gesicht eine älteren Mannes in dunkelroten Roben, dessen weit aufgerissene Augen seinen offenkundig Ausdruck des Erstaunens wider spiegelten.
Fortsetzung folgt.
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