Dunstschwaden zogen durch die Straßen von Haeven. Die schwülen Schleier vermischten sich in den Gassen, mit den Gerüchen der Stadt. Wann immer der Dschungel, der den Piratenhafen umgab, seinen feuchtwarmen Odem, in die Stadt der Sturmlords drückte, verwandelten sich die Distrikte der Hafenstadt in ein regelrechtes Dampfbad.
Die Bewohner nannten es den fiebrigen Nebel. Der immer dann kam, wenn die Winde des Meeres, die verborgene Küste nicht erreichten. Die von gigantischen Mauern eingepferchten Distrikte des Mörderhafens, verwandelten sich an Tagen wie diesen in wahre Brutkessel. Eine Matrone der T’skrang konnte sich kaum einen besseren Ort für ihr Gelege wünschen.
Die Enklave der Seeräuber war innerhalb alter Ruinen gebaut worden. Gebäude jeglicher Couleur quetschten sich zwischen die gewaltigen Mauern, die einst von Riesen geschaffen worden waren. Inmitten der oft kreativ gestalteten Flickwerkbehausungen der Distrikte, drückte sich fortwährend ein Sammelsurium an zwielichtigen Bewohnern. Haeven war mehr als jeder andere Hafen ein Haifischbecken. Angefüllt mit all jenen, die der Welt den Rücken gekehrt und alle Perspektiven verloren hatten. Verbrecher, Frevler und Delinquenten konnten in Haeven ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Der Dreck, das Blut und die Gezeiten der Stadt spülten eine jede Sünde fort. Die Sturmlords hatten ihre Domäne bewusst als letzte Zuflucht für die Verlorenen geöffnet. Von Anhängern der dunklen Götter, über Raubritter bis hinzu Königsmörder konnten hier alle ihren Häschern entkommen.
Eberhard Brettschneider, seines Zeichen Oberhaupt der Gesellschaft für Erforschung und Abenteuer auf Maracasar, saß in einem großzügig eingerichteten Zimmer des exklusiven Gasthauses Alt Kemperbad. Die geschwungenen Holztüren, die auf die ausgedehnte Terrasse führten, waren weit geöffnet. Von hier oben konnte man, einen guten Blick auf den zentralen Platz des Distrikts Alttor werfen. Die Bewohner dieses Distrikts stammten vorwiegend aus dem Imperium. Was vor allem durch die getragene Mode und die Architektur der umliegenden Gebäude wieder gespiegelt wurde. Durch die gewaltigen Mauern, die den Distrikt einschlossen, war es leicht dem Eindruck zu erliegen, tatsächlich in einer Stadt des Imperiums zu sein.
Es war ein Gefühl von Nostalgie, das in Eberhard aufgekommen war, als er Alttor das erste mal betreten hatte. Er hatte seine Heimat vor Jahren verlassen. Bis heute fühlte er deswegen keine Reue. Dennoch löste Alttor in ihm eine verborgene Sehnsucht nach Kemperbad aus. Da es nicht so aus sah, als ob er in nächster Zeit zurück in seine Geburtsstätte reisen würde, hatte Eberhard beschlossen sich der Illusion von Heimat hinzugeben. Entsprechend war seine Wahl auf Alt Kemperbad, dass nobelste Etablissement in Alttor gefallen. Der Komfort seines Gemachs war definitiv von gehobenen Standard. Konnte allerdings auch nicht über die fiebrige Hitze, die derzeit über Haeven lag, hinwegtäuschen.
Obwohl Eberhard nicht weniger als einen offenen Seidenmantel über einen trawonischen Lendenschurz trug, glühte sein gewaltiger Körper vor Hitze. Allen voran sein praller Wanst war permanent von einer glänzenden Schicht frischen Schweißes überzogen, der in einem unaufhörlichen Strom langsam an ihm herab.
Eberhard stöhnte. Nicht wegen der schwülen Hitze oder dem Wechselbad zwischen Erfolg und Misserfolg der Gesellschaft in den vergangenen Tagen. Das gehörte dazu. Mal gewann man, mal eben nicht. Götterwillen, Schicksalsgefüge - nur ein Narr konnte glauben, dass alles stets nach Plan verlief. Eberhard war dies durchaus früh in seinem Leben klar geworden. Am Ende kam es nicht drauf an, ob ein Plan scheiterte. Es kam vielmehr darauf an, ob es gelang, dass vermeintliche Scheitern als Errungenschaft zu verkaufen.
Joachim von Schwertwall, sein langjähriger Gefährte und er, hatten in Haeven eher Verluste, als die erhofften Gewinne eingeheimst. Zumindest wenn man das einst gut gefüllte Münzsäckchen betrachtete. Das Vorhaben einige ihrer wohl gehüteten Artefakte zu Gold zu machen, war spektakulär gescheitert. Ihr Münzbeutel glich mehr und mehr dem Anblick einer ausgehungerten Tempelmaus.
Selbstredend war das kein Grund, für einen Brettschneider, an Annehmlichkeiten und Wohlstand zusparen. Eine alte brettschneiderrische Weisheit besagte schließlich: Wer erst damit begann bescheiden zu leben und seine Ansprüche herunter zu schrauben, dem war ein Schicksal in Armut gewiss. Basierend auf dieser alten familiären Erkenntnis, hatte Eberhard gar keine andere Wahl gehabt.
Er hatte sich für das bekömmlichste und geräumigste Zimmer im Alt Kemperbad eingeschrieben. Es galt in dieser neuen Stadt, gar nicht erst einen falschen Eindruck zu hinterlassen. Vor allem deshalb nicht, weil ihre Exkursion ja kein totales Desaster gewesen war. Joachim und er hatten wichtige Kontakte geknüpft und Verhandlungen geführt, die sich zu einem späteren Zeitpunkt auszahlen würden. Entsprechend ging es nicht um seine persönlichen Befindlichkeiten. Da hätte er Abstriche machen können.
Er, Eberhard Brettschneider, war nach Haeven als Repräsentant einer Gesellschaft gekommen, dessen renommierter Ruf über jeden Verdacht erhaben sein musste. Wie eine Unternehmung dargestellt wurde, ob es nun die Ausrichtung einer Expedition oder eben das etablieren einer Gesellschaft war, entschied nach Eberhards Auffassung, über ihren Erfolg oder Misserfolg.
An diesem Punkt zu scheitern war mit Nichten eine Option. Natürlich konnte und durfte die Gesellschaft scheitern, an Drachen, Riesen oder anderen Abenteuern, aber niemals würde er zulassen, dass sie an ihrem Ruf scheiterte. Ein Los, dessen Härte, Ausmaß und Tragweite mit einer immer währenden Ausdauer verfolgt werden musste. Insgeheim zweifelte Brettschneider stark daran, dass seine Gefährten, sich der Ernsthaftigkeit dessen bewusst waren.
Es schien allerdings so, dass sein enger Freund und Gefährte Joachim von Schwertwall, diesen bedeutenden Punkt mehr und mehr zu verstehen schien. Gut, Joachim war noch weit davon entfernt, ein Meister dieser Kunst zu sein. Was mehr als legitim war. Sein Freund musste sich anderen Aufgaben stellen und das nicht nur innerhalb ihrer Gesellschaft.
Insgeheim befürchtete Eberhard, das Joachim sich in näherer Zukunft mit noch weit größeren Herausforderungen konfrontiert sehen würde. Nichts desto trotz begriff sein Freund worauf es ankam. Entsprechend leicht war es gewesen, Joachim von Schwertwall davon zu überzeugen, auf die Annehmlichkeiten des Alt Kemperbads zu verzichten.
Das Gildenhaus der weißen Hand barg, aus Eberhards Perspektive, für seinen Freund gleich mehre Vorteile.
Zum einen mussten sie die horrenden Kosten für ein Zimmer im Alt Kemperbad kein zweites mal aufbringen. Das schonte den Münzbeutel der Gesellschaft, was wiederum auch in Joachims Interesse seinmdurfte. Zudem würde die Gesellschaft nicht an Ansehen einbüßen, da es für einen Heiler der weißen Hand durchaus üblich war, bei seiner Gilde unterzukommen.
Beziehungsweise einen Magus der Hand. Eberhard erinnerte sich, dass Joachim kürzlich irgendwas von einem Wechsel seiner Laufbahn erzählt hatte und jetzt einen neuen Titel trug. Die Ereignisse der letzten Monate waren nicht Spurlos an seinem Freund vorbei gegangen, das wusste Eberhard. So richtig begriff er allerdings nicht was in Joachim vorging. Aber das musste bedauerlicher Weise erst einmal warten, wie so vieles andere.
Mit der Unterbringung im Haus der Hand war zudem Gewährleistet, das Joachim der täglichen Anwesenheit nachkommen konnte, die bei Schaffungsprozess des Taumagrals notwendig war. Das mächtige Artefakt, dass eigens für Joachim geschaffen werden sollte, war Teil ihrer Verhandlungen mit der weißen Hand gewesen.
Joachim selbst hatte dies als zusätzliche Forderung an seine Gilde gestellt. Genau wie seinen künftigen Rang, der ihm eine wesentlich unabhängigere Stellung innerhalb seiner Gilde verlieh. Ein Schachzug der Eberhard durchaus beeindruckt hatte. Es war ein nicht unbedeutender Aspekt gewesen, der ihre derzeitige finanzielle Situation künftig mehr als ausgleichen würde. Im Gegenzug für den Erlass der horrenden Lehrschulden seines Freundes und den zusätzlichen Forderungen, wollte die weiße Hand nicht mehr als das Sackheim Manifest.
[Hafenklänge]
Eine original Schrift der Reichsfürstin von Kemperbad, Marnie von Sackheim. Der Wälzer war vor Jahren durch Zufall in ihre Hände gefallen, hatte bei Ihnen aber wenig Beachtung gefunden. Das Ma(r)niefest machte sich zwar gut als Dekoration, war aber im wesentlichen nicht mehr als ein Staubfänger mit schickem Einband.
[Das Sackheim Manifest]
Neben seinem notwendigen Mitwirken im Bindungsprozess des Thaumagrals, wollte Joachim sich auch noch mit relevanten Forschungen der arkanen Künste beschäftigen. Insgeheim hofften sie in den magischen Werkstätten mehr über die Münzen der Gier zu erfahren. [
Münzen]Die Entscheidung im Haus der Hand zu verweilen war für Joachim eine pragmatische Lösung gewesen. Natürlich hätte er nichts dagegen gehabt, in der Haevener Heilstätte, der pompösen Basilika der weißen Hand, unter gebracht zu werden.
Da die magischen Werkstätten der Gilde sich aber im Haus der Hand befanden, war die Wahl der Unterbringung in gewisser weise vorgegeben.
Eberharts Aufstöhnen rührte auch nicht daher, dass er auf die Anwesenheit seines Freundes Joachim verzichten musste. Man musste, für das wofür man stand, auch Opfer bringen. Das war Eberhard vermutlich klarer, als jedem anderem in der Gesellschaft. Er ertrug schweigend die Bürde des Luxus und füllte die gegebenen Räumlichkeiten allein mit seiner Anwesenheit aus, wohl wissend das sein Freund eher in spartanischen Gemächern untergebracht war.
Brettschneiders stöhnen galt dem Aufenthalt in Haeven selbst. Die Zeit die sie hier verweilten schien zunehmend länger als kürzer zu werden. Die Verwicklungen, die in Haeven nach ihnen schnappten, glichen dem Kampf mit einer Hydra. So wie der Bestie die Köpfe nachwuchsen, nachdem man sie abgeschlagen hatte, tauchten in Haeven stets neue Verstrickungen auf, sobald man glaubte ein Problem geklärt zu haben. Jede neue Verstrickung führte dann dazu, den ursprünglich geplanten Aufenthalt, doch noch um ein paar Tage zu verlängern. Kein Wunder, dachte Eberhard, dass so viele die hier Zuflucht gesucht hatten, nicht wieder von hier los kamen. In Eberhards Fantasie war Haeven das klebrige Netz einer fetten Spinne und alle die den Piratenhafen betraten verfingen sich darin. Es half alles nichts. Wenn sie Haeven irgendwann verlassen wollten, dann zumindest mit mehr Antworten als Fragen.
Während sein Gefährte mit der Anpassung seines Thaumagrals und diversen arkanen Studien mehr als ausgelastet war, ließ sich auch Eberhard nicht Lumpen. Er hatte sich eine ordentliche Agenda aufgebürdet. Die Hälfte bis dreiviertel eines jeden Tages gab er den beleibten, zu weilen müßiggängerischen Alt Helden. Er besuchte täglich verschiedene Tavernen, Gasthäuser und andere Plätze des öffentlichen Lebens. Schwärmte von sich, der Gesellschaft und den vollbrachten und noch zu vollbringenden Taten. Eine Rolle, die Brettschneider über die Jahre durch und durch perfektioniert hatte. Die verbleibenden Stunden eines jeden Tages verbrachte er dann damit, möglichst unauffällig alle Chancen, die sich ihm in Haeven offenbarten zu nutzen. Es galt eine ganze Reihe von offenen Fragen zu klären. Eine der Hauptfragen die Eberhard in diesen Tagen umtrieb, war die Frage nach Nomorius?
[Nomorius]
Wer war dieser selbst ernannte Prophet Karzougs und woher kam er?
Bei dem leichten Verhör das folgte und zu dem sie Nomorius auf etwas unkonventionelle Weise eingeladen hatten, waren viele Fragen offen geblieben. Der Prophet war Brettschneider nicht unsympathisch. Im Gegenteil, auf seine ganz eigne Art war Nomorius charmant und intelligent. Der selbst ernannte Goldene Prophet verehrte den untergegangen Runenherrscher der Gier als eine Art Gott. Eberhard zweifelte selbstredend nicht an der Existenz der Götter, hatte in seinen bisherigen Lebensabschnitten aber auch nicht allzu viel Zeit in die Verehrung der Göttlichen investiert.
Es erschien ihm absurd, dass Nomorius, den er ansonsten für einen aufgeschlossenen und wachen Charakter hielt, sich der Verehrung eines Herrschers aus einem untergegangenen Zeitalters hingab. Anders als alle anderen Anhänger des Runenherrschers der Gier, auf die sie getroffen waren, schien Nomorius nicht zu der grobschlächtigen und finster wirkenden Sorte zu gehören.
Nicht Tod, Mord oder rohe Gewalt hatte der Goldene Prophet als seine Waffen gewählt, sondern Worte und Münzen. Nomorius Ziel schien es zu sein, das bestreben nach Reichtum, das in den meisten seiner Mitmenschen schlummerte, anzusprechen. Die Münzen die Nomorius frei unter seinen Anhängern verteilte, besaßen die magische Macht, die unschöne Eigenschaft der Gier, in ihrem Träger zu wecken.
Nomorius hob in seinen predigten die positiven Aspekte der Gier hervor. In seiner Bestrebung seine Zuhörer zu bekehren stellte Nomorius die Gier als großen Antrieb da, um hohe Ziele zu erreichen. Gier war nach der Vorstellung des Goldenen Propheten eine positive Tugend, die unweigerlich zu Reichtum und Wohlstand führte. Nomorius hatte Waffen gewählt, die aus Eberhards vergangenen Erfahrungen ungleich gefährlicher waren als Muskeln und Klingen. Blendende Worte gefolgt von glänzende Münzen, konnten nur allzu leicht darüber hinwegtäuschen, dass Gier immer auch den Nachteil anderer in Kauf nahm und stetig das eigene Ich über das Wohl der Gemeinschaft stellte.
Am ehesten war der Pfad den Nomorius eingeschlagen hatte, mit der von Lukrezia zu vergleichen. Die Dienerin des Herrn der Gier hatte ein schwimmendes Casino auf dem Lehmgrundsee bei Schildkrötenfähre betrieben. Der Ruf von den unglaublichen Gewinnen, die sich dort erzielen ließen drang bis nach Larifa, der größten Stadt Maracasars. Nicht wenige machten sich auf und nahmen die beschwerliche Reise in die Ausläufer des Storvalmassivs auf sich, um ihr Glück zu suchen. In der ‚Nacht der Münzen‘ einem Event in der Lukrezia ihren Gästen versprochen hatte, für jeden Einsatz den doppelten Gewinn auszuschütten, versenkte sie die schwimmende Stätte. Das was Eberhard und seine Gefährten in Schildkrötenfähre hatten herausfinden können, ließ den Schluss zu das durch Lukrezias bösartige Falle hunderte von Seelen an Karzoug geopfert wurden.
[Nachwehen]
Brettschneider fragte sich, ob Lukrezia damals die gleichen Münzen auf ihren Spieltischen gehabt hatte, wie jene die Nomorius heute seinen Gläubigen gab. In Brettschneiders Kopf generierten sich plötzlich Bilder aus dieser Zeit zu einer unbeantworteten Frage.
Ein schwimmendes Casino, unzählige Gäste die auf verdoppelte Gewinne hofften, Gäste die all ihr Hab und Gut einsetzten, Berge aus Münzen auf allen Spieltischen. Dann, die Havarie der schwimmenden Glücksstätte.
Lukrezia, für die, die Seelen der höchste Gewinn ihres Spiels gewesen waren. Die Münzen, die nicht mehr als ein Mittel zum Zweck gewesen waren und keine weitere Beachtung erfahren hatten. Brettschneider fluchte. Lag am Grund des Sees vor Schildkrötenfähre jetzt ein ungehobener Schatz? Bestehend aus all den Münzen die als Einsatz und Gewinne gedacht gewesen waren und die verloren gingen, als ihre Besitzer zu Opfern von Lukrezias niederträchtigem Plan wurden? War bei der Frage nach Nomorius gerade über einen Gedankenstein gestolpert, der die Möglichkeit barg, die die finanzielle Engpässe der Gesellschaft zu überwinden?
Es war zumindest etwas, was sich die Nachwuchs Abenteurer ihrer Gesellschaft durchaus mal anschauen konnten. Es galt über eine Expedition mit ordentlichem Gewinnpotential nachzudenken. Aber alles zu seiner Zeit.
Eberhards Priorität lag trotz der weiterhin erdrückenden Hitze, bei seinen aktuellen Nachforschungen. Eine ganze Wand seines Zimmers hatte er Nomorius gewidmet. Hier hingen Notizen von dem was er auf der Straße in Erfahrung gebracht hatte. Auswertungen von Gesprächen die er auf dem Wuchermarkt geführt und Mitschriften von dem was ihm hier und da zu Gehör gekommen war. Eberhard hatte unter den fadenscheinigsten Vorwänden Unterhaltungen mit völlig Fremden geführt. Hatte mit Nachbarn, Händlern im Viertel, Strassenkindern, Besuchern und Kaufleuten des Wuchermarktes, Anhängern des seltsamen Karzoug Kultes und sogar mit einigen Aposteln der Goldenen Ordnung gesprochen. Die Notizen die er sich gemacht hatte, hatte er in einem bestimmten Muster an die Wand geheftet. Auch die Briefe, die Nomorius ihm und die er als Antwort verfasst hatte waren fein säuberlich an die Wand gepinnt.
[Die goldene Korrespondenz]
Die Sortierung hatte viele Tage in Anspruch genommen. Mehr und mehr wurde aus den Schemen ein Bild. Fäden aus rotem Garn zogen sich über die Wand und verbanden Hinweise, wo Eberhard mögliche Verbindungen sah. Außerdem hatte er sich erlaubt, seine Gedanken zu dem ein oder anderen Hinweis mit Kohlestift direkt auf die Wand zu schreiben. Die Antwort, die sich aus all dem, auf die eingangs gestellte Frage ergab erlaubte folgende These:
#Larifa
Nomorius schien aus Larifa zu stammen. Er war in einer Zeit aufgewachsen, in der die größte Metropole Maracasars unter den sechs Königslanden aufgeteilt war. Vieles deutet darauf hin, das seine Mutter aus einer in Ungnade gefallenen Adelsfamilien des Imperiums stammte. Seit dem die Königsländer auf Maracasar Fuss gefasst hatten, war die Insel zu einem beliebten Ziel für jene geworden, für die es in den Königsländer zu eng geworden waren. Noch während Larifa unter kolonialer Kontrolle stand, geriet Nomorius Familie erneut in den Fokus der imperialen Behörden. Brettschneider war es bisher nicht gelungen heraus zu finden, was genau damals in Larifa passiert war. Es hatte vereinzelte Hinweise gegeben, dass Nomorius von seiner Familie zurück gelassen wurde. Die genauen Umstände blieben aber unklar. Brettschneider konnte nur spekulieren, ob Nomorius Familie aus Larifa floh und ihren Sprössling zurück ließ oder ob ein schlimmeres Schicksal die Familie ereilt hatte. Die verschlungenen Wege des junge Nomorius führten ihn dem Anschein nach, nach Unterbrück, dem berüchtigtsten und heruntergekommensten Viertel von Larifa. Unterbrück erlaubte dem zurückgelassenen Sprössling aus dem Blickfeld der imperialen Aufmerksamkeit zu verschwinden. Tatsächlich verloren sich hier auch weitere Anhaltspunkte anhand derer man hätte nachvollziehen können, wie Nomorius Leben in Unterbrück verlief.
Eberhard starrte grübelnd auf die bruchstückhaften Hinweise. Mit Unbehagen erinnerte Eberhard sich an seinen einzigen Aufenthalt in Unterbrück. Er und seine Gefährten waren vor Jahren einmal dort gewesen und auf die Lamia Zauberin Xanesha getroffen.
[Ins Herz der Schatten]Die Lamia war eine von Karzougs bösartigsten Dienerinnen gewesen und hatte von Unterbrück aus ihr finsteres Netzwerk bis nach Port Grim gesponnen. Und nun, nach all den Jahren lief erneut eine Spur in Larifas Elendsviertel. Eberhard tat sich schwer damit an einen Zufall zu glauben. Schnaufend blickte er auf die Wand seines Gemachs. Rotes Garn spannte sich zwischen Unterbrück, Nomorius und Xanescha. An die Linie kritzelte er ein Fragezeichen. Wenn es noch weitere Spuren aus dieser Zeit gab, waren diese vermutlich nur in Unterbrück zu finden. Für Eberhard stellte sich die Frage ob Xanesha wirklich schon zur Zeit der Besatzung in Larifa gewesen war. Wenn dem so war, war die Verschwörung um die Rückkehr des Runenherrschers wesentlich älter als er bislang angenommen hatte. Vielleicht war die Lamia auch gar nicht der Knotenpunkt, sondern Unterbrück selbst. Das Viertel im sogenannten Schattengebiet von Larifa, lag im immerwährenden Schatten des Zornspan. Die fast einhundert Meter hohe Brücke, die Unterbrück in permanentes Zwielicht tauchte, gehörte zu den ältesten Monumenten aus dem Zeitalter der Runenherrscher. Eberhard würde es nicht wundern, wenn der Goldene Prophet in Unterbrück auf etwas gestoßen war, dass seine Verbindung zu Karzoug erklärte. Allerdings blieb dies reine Spekulation und dem wollte sich Eberhard im Moment nicht hingeben. Sein Blick viel zurück auf die Wand und fand die Stelle die mit erstes Auftauchen in Haeven bezeichnet war.
# Haeven
In einer schäbigen Taverne in Haevens Hafendistrikt, der eher an einen Schiffsfriedhof als ein Stadtviertel erinnerte, war Brettschneider auf ein weiteres Fragment von Nomorius Geschichte gestoßen.
Einer der alt eingesessenen Gäste der zwielichtigen Schankstube, die den vertrauensvollen Namen zum undichten Beiboot trug, hatte sich damit gebrüstet, dass er es war der den Prophet einst nach Haeven geholt hatte.
Der alternde Seefahrer war ein bekennender Anhänger des goldenen Dogmas, entsprechend musste Brettschneider tief in seinen Beutel greifen, um an die gewünschte Geschichte zu kommen.
Den Erzählungen folgend war der Seefahrer, der auf den Namen Blaustein Greg hörte in seinen besseren Jahren teil eines berüchtigten Trupps von Kopfgeldjägern gewesen.
Der Auftrag lautete den Jungen in Unterbrück ausfindig zu machen und nach Haeven zu überführen.
Die Erinnerungen des alternden Seemans waren Bruchstückhaft und kaum mehr als dünnes Seemannsgarn. Genau datieren konnte Blaustein Greg die Zeit ihres Auftrags nicht.
Er war sich aber sicher gewesen, das es während der großen Unruhen gewesen war. Die Menschen von Maracasars hatten sich zur Jahrhundertwende gegen die Herrschaft der Königsländer erhoben und blutig ihre Freiheit erstritten.
In mitten dieser Unruhen waren die Kopfgeldjäger in das brennende Larifa eingedrungen. Sie hatten den Jungen aufspüren können, wenn auch unter Verlusten. Blaustein schätzte das damalige Alter des Jungen auf kaum mehr als sechzehn Sommer. Dem Alten waren zwei ungewöhnliche Dinge in Erinnerung geblieben. Als sie den Jungen gefunden hatten, war sein Körper mit fremdartigen Zeichen und Symbolen bedeckt gewesen. Glyphen und Male, die unwiderruflich in seine Haut gemalt worden waren.
Blaustein hatte Eberhard mit einem durchdringenden Blick fixiert als er sagte:
„Und der Knilch saß da, in diesen düsteren Katakomben, während die Welt draußen in Flammen stand. Ganz ohne Furcht, auf einem Stapel gepackter Sachen. Gerade so, als ob er auf uns gewartet hätte.“
Das zweite, an das sich der alte Greg erinnerte, war die ungewöhnlich hohe Summe, die sie für den Auftrag erhalten hatten.
„Wem eine solche Summe angeboten wird“, hatte Blaustein gesagt und dabei sein Zahnlücken grinsen in voller breite präsentiert, „der fragt nicht viel und vergisst am besten schnell.“
Entsprechend hatte der alte Nautiker auch keine Erinnerungen mehr an seinen damaligen Auftraggeber.
Blaustein hatte lediglich die Backen aufgebläht und probierte geräuschvoll einen Windhauch zu imitieren, als einen ordentlichen Schwall seines schlechten Atems in den Schankraum entließ. Dann zeigte er nach oben, grinste und sagte:
„Ihr wisste wen ich meine? Wer sonst hätte ein solches Sümmchen aufbringen können?“ Was auf diesen kryptischen Hinweis zugeben war blieb für Brettschneider offen.
Eberhard griff zur Wasserkaraffe und goss ich ein großes Glas ein. Es war noch vor Mittag und er hatte schon zwei Karaffen gelehrt. Man konnte gar nicht soviel trinken wie man schwitzte, dachte er.
Die Tätowierungen von den Blaustein gesprochen hatte waren Eberhard ebenfalls bekannt. Als er und Joachim den Propheten als „Gast“ beherbergt hatten, waren sie Joachim bereits aufgefallen. Allerdings blieb ihnen nicht genug Zeit sie eingehender zu Untersuchen. Wenn es stimmte, dass Nomorius zumindest einen Teil seiner Runentätowierungen, schon in Larifa erhalten hatte, dann erhärtete das den Verdacht, das Nomorius in Unterbrück auf eine Hinterlassenschaft Karzougs gestoßen war.
Es war zwar gut zu wissen, dass Nomorius erste Ankunft in Haeven vor etwas mehr als zwanzig Jahren gewesen war, so richtig was damit anfangen ließ sich jedoch nicht. Vor allem, weil es kaum Indizien für die Zeit danach gab. Es sah eher so aus, als wäre der damalige Aufenthalt in der Stadt der Sturmlords nur von kurzer Dauer gewesen. Eberhard hatte probiert herauszufinden, ob Nomorius in Haeven eine arkane Disziplin erlernt hatte. Er hatte bei der weißen Hand und anderen Gesellschaften nachgeforscht. Hatte bekannte Lehrmeister der Stadt aufgesucht, ohne Erfolg. Er hatte schlichtweg nichts gefunden das darauf hinwies, das Nomorius in Haeven geblieben war.
# Tiefwasser [1/2]
Brettschneiders Verdacht erhärtete sich, als er sich im Distrikt Sturmhafen umhörte. Hier lebten all jene, denen es gelungen war beträchtlichen Reichtum anzuhäufen und diesen lange genug zu behalten, um sich hier ein Domizil in diesem Distrikt zu errichten. Der goldene Prophet hatte mit seiner Familie vor etwa fünf Jahren eines der prachtvollen Stadthäuser des Distrikts erworben. Brettschneider hatte probiert über die Hausangestellten mehr über Nomorius und seine Familie zu erfahren. War jedoch gescheitert, da die Diener des Hauses sich als ungewöhnlich loyal gezeigt hatten. Lediglich aus dem Hauslehrer hatte er heraus bekommen können, das Nomorius Vater zweier Kinder war. Eine Tatsache, die Brettschneider zugegebener Maßen überrascht hatte. Brettschneider hatte die Erfahrung machen müssen, das es in den Straßen von Sturmhafen ungleich schwieriger war an brauchbare Fakten zu gelangen. Der Tratsch der Reichen fand eben nicht auf der Straße statt. Aber Brettschneider kannte das Spiel lange genug. Unter dem Deckmantel, ein angemessenes Refugium für die Gesellschaft erwerben zu wollen, erhielt er nach einigem stöbern ein paar bruchstückhafte Informationen. Anders als in imperialen Städten wie Kemperbad, schien die gut situierte Nachbarschaft des Piratenhafens sich nur wenig dafür zu interessieren, wer in ihrer Mitte lebte. Was am Ende vielleicht ein guter Selbstschutz war, wenn man bedachte wen es so nach Haeven verschlug. Das einzige was Brettschneiders Ermittlungen ergaben war, dass Nomorius vorgab, aus Tiefwasser zu stammen. Brettschneider hatte von der Stadt der Wunder gehört. Die von sechzehn Fürsten regierte Handelsmetropole hatte, einen legendären Ruf unter Kaufleuten. Sie galt als eine der größten Städte des vergessenen Kontinents und war das Zentrum der Zivilisation des Nordens. Die Küstenlinie an der Tiefwasser lag, wurde klangvoll als Schwertküste bezeichnet. Von den Königslanden war die Stadt der Wunder fast soweit entfernt wie Maracasar.
Eberhard hatte in Tage langer Recherche probiert mehr über Nomorius Zeit in Tiefwasser heraus zu finden. Als er sich jedoch das heutige Resultat an der Wand ansah, musste er sich eingestehen, dass die Bruchstücke die seine Ermittlungen hervorgebracht hatten, kaum als weiteres Fragment zu werten waren. Dabei war es ihm gelungen, ein paar wenige der Exilanten aus Tiefwasser ausfindig zu machen. Die geführten Gespräche hatten Eberhards Interesse an der Stadt durchaus geweckt.
Das Tiefwasser zwar von sechzehn Fürsten regiert wurde, aber niemand wusste wer sie waren, war dabei ein durchaus spannendes Detail auf das er gestossen war. Ein Schattenrat lenkte die Geschicke der Stadt aus dem verborgenen heraus. Das war für Eberhard ein gänzlich neues Konzept und er hatte sich gefragt wie das funktionierte.
Nach allem was er über Tiefwasser in Erfahrung hatte bringen können schien die Stadt der Wunder zu dem um ein vielfaches größer zu sein, als Larifa oder das ihm bekannte Altdorf. Entsprechend glich die Suche nach verwertbaren Hinweisen, eher jener nach der berühmten Silbermünze im Drachenhort. Erst als Valexa von Ruthvek, die berühmte gnomische Artefakthändlerin ihm eine Nachricht zukommen ließ, zeigte sich, dass Eberhards Talent Kontakte zuknüpfen, sich wiedermal als eine gute Investition bewiesen hatte.
# Tiefwasser [2/2]
Die Artefakthändlerin vermittelte ihm an Thafaris Schattenend. Sofern Brettschneider das hätte sagen können, bekam er es mit einer Halbelfe mittleren alters zu tun.
Bei jenen die elfisches Blut in ihren Adern hatten, viel Brettschneider die Einschätzung des Alters ungleich schwerer. Letztlich konnte es auch sein, dass die Halbelfe wesentlich älter als er selbst war. Thafaris Schattenend beschrieb sich selbst als arkane Alleshändlerin. In unregelmäßigen Abständen segelte sie von Tiefwasser nach Maracasar und legte nahezu jedes mal in Haeven einen Stopp ein. Allein wegen den berühmten Kuriositäten der Artefakthändlerin lohnte sich die Reise.
Die Fundstücke die Valexa von Ruthvek auf den Markt brachte, eilten ihrem Ruf voraus und wurden Thafaris in ihrer Heimat förmlich aus den Händen gerissen.
Zwei aufeinanderfolgende Tage traf sich Eberhard mit Thafaris. Lange hatte es niemand mehr geschafft, Brettschneider der Art in einen Bann zuschlagen. Die arkane Alleshändlerin begeisterte ihn mit ihren Abenteuern und Reisen. Umgekehrt schien es genauso, die Halbelfe lauschte den Ausführungen von den Abenteuern der Gesellschaft mit begeistertem Interesse. Von Schattenend erfuhr Brettschneider, dass auch im Norden Artefakte aus der Epoche der Runenherrscher gefunden worden waren. Einige der Fundstücke wiesen dabei ebenfalls den siebenzackigen Stern auf, dem Sihedron. Der Alleshändlerin war das Symbol bekant auch wenn sie nichts mit der Bedeutung hatte anfangen können.
Die Glyphe der Gier hingegen war Schattenend unbekannt gewesen. Eberhard war zunächst beruhigt. Allerdings skizzierte Thafaris ihm eine andere Rune, die an der Schwertküste häufig mit dem Sihedron aufgetaucht war. Dieses Symbol rief bei Eberhart nur ein Achselzucken hervor und sorgte für einen Ausgleich der Unwissenheit zwischen ihm und Thafaris.
Die alzanistische Rune des Zorns, war Schattenend wiederum bekannt, wenn gleich auch eher von den Artefakten, die sie von Valexa von Ruthvek erworben hatte. Das Wissen, das in den nördlichen Regionen Ontaras, ebenfalls Artefakte aus der Zeit der Runenherrscher gefunden worden waren, hatten in Brettschneider ein tiefes Unbehagen ausgelöst.
Die gesellige Zeit, die er mit Thafaris Schattenend verbracht hatte, glich dieses Gefühl jedoch mehr als aus.
Zu Nomorius konnte Thafaris letztlich wenig sagen, versprach aber sich in Tiefwasser umzuhören. Eine interessante Wendung bekam das Gespräch, als Brettschneider Thafaris nach ihren Käufern fragte. Die Halbelfe kam auf die Logeris Thay zu sprechen.
Ein exklusiver, in Tiefwasser beheimateter, thaumaturgischer Orden, der sich ganz der Runenmagie verschrieben hatte. Als die Alleshändlerin mit ihren Ausführungen begann, verspürte Brettschneider den starken Wunsch Joachim an seiner Seite zu haben, der ihm erklärte was die Halbelfe von sich gab.
So verstand er nur die Hälfte von dem, was aus der begeisterten Thafaris heraus sprudelte. Scheinbar hatte der Orden der Logeris Thay es sich zur Aufgabe gemacht, die Geheimnisse der arkanen Symbole zu erforschen. Das war noch zu verstehen gewesen.
Als die Halbelfe dann aber damit begann Brettschneider zu erklären, dass man bis vor kurzem glaubte das Runen einfache Kraftsymbole alter Zeiten waren und wie die Thaumaturgen der Logeris Thai entdeckt hatten, dass es eine Verbindung zwischen den Formen der Runen und den Mustern der natürlichen Ordnung gab, verlor Brettschneider den Faden.
Vermutlich hätte selbst Motte, der jüngste Rekrut in ihrer Gesellschaft mehr verstanden als er. Mit einem Lächeln und sich stets wiederholendem nicken, gab Brettschneider sein bestes, um zumindest so zu tun als könne er dem gesagten einen Sinn entnehmen.
Merken konnte er sich nur - Verloren gegangenes Wissen, einzigartige Wiederentdeckung und Runen verkörperten einzigartige Kraftströme. Was letzteres bedeutete, sollte Joachim ihm später in normaler Sprache erklären.
Thafaris Schattenend hingegen schien so richtig in ihrem Element angekommen zu sein und probierte Eberhard an der Faszination der arkanen Theorie teil haben zu lassen. Was lediglich zur Folge hatte, das Brettschneider an die Grenzen des verstehbaren gebracht wurde. Man musste der Halbelfe lassen das sie eine geduldige Lehrerin war. Als Thafaris einen neuen Versuch unternahm, Brettschneider ein paar einfache Grundkenntnisse der Runenmagie zu vermitteln sprach sie sehr langsam:
„Es ist gar nicht so schwer“, sagte sie.
„Runen organisieren sich in Runenmustern, .... welche eigentlich nicht aus einzelnen Runen bestehen... Stattdessen ist jedes Runenmuster eine große, komplexe Rune, die jedes einzelne Muster jeder dieser Runen vereint... Demnach vereint die Rune für einen komplexeren Zauber, im eigentlichen die Muster des weniger komplizierten Zaubers ... im Runenmuster ist dieser dem Muster unterstellt, der den Zauber vereint und das gesamte Runenmuster beginnt.“ erklärte sie mit einem lächeln.
Brettschneider hatte zurück gelächelte, an seinem Wein genippt und genickte. Er war bereits nach dem ersten Satz mental ausgestiegen. Obwohl er sich weiterhin bemühte verstehend zu wirken, wusste Brettschneider das Schattenend seine Scharade durchschaut hatte.
Trotz seiner diesbezüglichen geistigen Überforderung dachte Eberhard verzückt an die beiden Abende mit Thafaris Schattenend zurück. Insgeheim freute er sich auf ein Wiedersehen mit der Halbelfe, die ihn an eine alte Bekannte erinnerte. Es war lange her, dass sie etwas von Käpt’n Ap’Trion gehört hatten, dachte er. Wie Valexa von Ruthvek hatte Eberhard auch Thafaris Schattenend von der Suche der Gesellschaft nach Xin Schalast erzählt. Thafaris hatte ihm versprochen bei einer ihrer nächsten Reisen Kurs auf Port Grim zunehmen und sich bis dahin zu überlegen, ob und wie sie die geplante Expedition unterstützen konnte. Vielleicht waren die Bruchstücke an Information an seiner Wand letztlich doch ein brauchbares Fragment.
Zwar musste Eberhard sich eingestehen, dass es diesem Fragment an handfesten Hinweisen fehlte, die sich unmittelbar auf Nomorius bezogen. Aber manchmal musste man sich eben auf seine Intuition verlassen. Was wäre ein kemperbader Kaufmann ohne eben diese einzigartige Fähigkeit zur spontanen Erkenntnis? Eberhard vertraute sich in diesem Punkt voll und ganz.
Er trat von der Wand weg, um das größere Ganze zu sehen und ging auch gedanklich einen Schritt zurück. Wer auch immer den Sprössling hatte nach Haeven holen lassen, hatte einen Jungen bekommen, dessen Körper mit fremdartigen Glyphen tätowiert war. Auf der Suche nach der Bedeutung der Runen hatte die Person in Haeven keine Antworten gefunden.
Wie genau der Kontakt zur Logeris Thay zustande gekommen war, entzog sich zwar Eberhards Erkenntnis, war aber letztlich auch nicht von Bedeutung. Für Eberhard stand fest, das Nomorius von Haeven nach Tiefwasser überführt worden war, ohne das er vermutlich eine Wahl gehabt hätte. Dort war er an die Logeris Thay übergeben worden. Da Nomorius jetzt wieder in Haeven war, vermutete Eberhard eher, das sich der goldene Prophet seinem Schicksal ergeben hatte. Wie das Verhältnis zwischen Nomorius und der Logeris Thay heute war, ließ sich schwer ergründen. Er hatte Thafaris gebeten in Tiefwasser mehr in Erfahrung zu bringen. Bis dahin ging Eberhard davon aus, das Nomorius ein Thaumaturge war.
Von Schattenend wusste er, das die gewöhnlichen Mitglieder der Logeris Thay als Runenzauberer bezeichnet wurden. Die hohen Thaumaturgen der Loge hingegen trugen den Titel - Runenmeister. Eberhard hatte schon als Tafaris den Titel erstmals erwähnte die Augen verdreht und tat es jetzt wieder.
Er kritzelte Kopfschüttelnd mit dem Kohlestift, eben diesen Titel auf die Wand. R-u-n-e-n-me-i-s-t-e-r! Bei ihrem Glück war Nomorius genau das. Wie weit, fragte er sich, war es von einem Runenmeister zu einem Runenherrscher?
Zumindest glaubte Eberhard jetzt einen Teil von Nomorius Motivation zu verstehen. Was auch immer den Goldenen Propheten antrieb, ein Teil generierte sich sicherlich aus den eigenen Ambitionen. Wer einen Meistertitel erlangt hatte, folgte Eberhards Ansicht einer starken inneren Motivation, sein Können zu vervollkommnen. Er hatte keine Zweifel, dass sich das arkane Handwerk in diesem Punkt kaum von dem mundanem unterschied.
Sein Blick glit entlang des roten Fadens, der sich über die Wand von Larifa nach Haeven und von Haeven nach Tiefwasser zog. Eberhards Blick verweilte auf Tiefwasser. Was ging dort im Norden vor?
Kopfschüttelnd folgte er dem verlauf des Fadens, der sich über Tiefwasser hinaus zuerst nach Nuln, dann den Reik hinauf bis nach Altdorf spannte. Eberhard erinnerte sich an die skurrilen Ereignisse, die den vorliegenden Informationen vorausgegangen waren.
#Nuln
Nach Abenden voller Trank- und Schankräumen im Alttor Distrikt war Brettschneider eher durch Zufall auf Bertram von Geibelsbart gestoßen. Schon nach den ersten ausschweifenden Erzählungen des selbstverliebten Glücksritters war Brettschneider genervt gewesen.
Eher unfreiwillig erfuhr er, das von Geibelsbart der Abkömmling eines verarmten Nulner Adelsgeschlechts war. Der junge Adelige war nach Haeven gekommen, um sein Schicksal als Bühnenfigurant zu finden und um sich von der Stadt, der unbegrenzten Möglichkeiten, inspirieren zu lassen.
Von Geibelsbart Großspurigkeit und unstoppbarer Redefluss hatten Brettschneiders Laune an diesem Abend auf einen Tiefpunkt gebracht. Er war schon dabei gewesen sich von dem penetranten Darsteller abzuwenden, um in einer ruhigeren Schenke den Abend ausklingen zu lassen, als von Geibelsbart doch noch seine Aufmerksamkeit erregte.
Der redselige Theaterritter prahlte damit, dass eben er, Bertram von Geibelsbart, ein einstiger Gefährte eines wahrhaftigen Propheten gewesen sei.
Brettschneider hatte sich schicksalsergeben gezeigt und dem sprudelnden Wortfluss weiter gelauscht. Die schwatzhaften Ausführung von Geibelsbart waren unsäglich lang und weilig. Allein für das aufmerksame Zuhören, um dem ganzen Gerede, dass eigentlich gesagte zu entnehmen, hatte er ein beträchtliches Maß an Willenskraft aufbringen müssen. Brettschneider hatte nach zwei guten Stunde des unablässlichen Geschwafels das Gefühl gehabt, dass ihm die Ohren bluteten. Der Kern des gesagten war gewesen, das Bertram von Geibelsbart letztlich nie ein Gefährte von Nomorius gewesen war. Zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Von Geibelsbart hatte den Goldenen Propheten allerdings auf dem Wuchermarkt wieder erkannt. Da Brettschneider akribisch nach jedem noch so kleinen Splitter der Erkenntnis suchte, hatte er kaum eine Wahl gehabt, als seine kostbare Zeit auch weiter den ausschweifenden Ausführungen von Geibelsbart zu opfern. Also blieb er wo er war und lauschte. Es stellte sich heraus, dass von Geibelsbart einst mit Nomorius im Auditorium der großen Universität zu Nuln gesessen hatte.
Das war lange bevor von Geibelsbart seiner Berufung als Akteur der Bühne gefolgt war. Noch bevor von Geibelsbart die schillernden Ereignisse schildern konnte, die für den Wandel seines Lebensweges verantwortlich waren, gelang es Brettschneider in einem denkwürdigen Akt der Beredsamkeit den Fokus zurück auf Nomorius zu lenken. So erfuhr er, dass Bertram von Geibelsbart einst bei dem berühmten Meister und Erz Magister Hieronymus studiert hatte. Hieronymus war einer der berühmtesten Gelehrten des Imperiums und hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine große Abhandlung über die Geschichte der Alten Welt verfasst, in der er eine ausführliche Diskussion über die Gründung des Imperiums anbot. Hieronymus vertrat die Ansicht, dass das Reich Sigmars als Höhepunkt menschlicher Lebensweise verstanden werden musste.
Nomorius, geriet über eben diese Behauptung mit dem berühmten Meister aneinander. Von Geibelsbart hatte sich überhaupt nur deshalb an den Goldenen Propheten erinnern können, weil dieser einen der legendärsten Eklats im Auditorium von Nuln heraufbeschworen hatte. Nomorius hatte den Altmeister der Historie provoziert, in dem er die große Bühne des Auditoriums genutzt hatte, um dem hohen Magister Ignoranz und Unwissen vorzuwerfen, da seine vermeintlich fundierten Lehren einen beträchtlichen Teil der Geschichte nicht nur ausblendete, sondern gänzlich ignorierte.
Von Geibelsbart unterstrich seine Erinnerungen mit lebhaften Gesten. Bevor Nomorius seiner Zeit des Auditoriums verwiesen worden war, hatte er die gerade zu blasphemische Behauptung aufgestellt, das es bereits Jahrtausende vor der Gründung von Sigmars Reich, ein wesentlich größeres und wirkungsmächtigeres Imperium gegeben hatte.
Durch seine eigenen Erzählungen ermutigt, schien von Geibelsbart den Moment als günstig zu erachten, sein Talent der darstellende Künste zu präsentieren. Etwas unbeholfen kletterte der schlaksige Adelige auf die Theke, die ihm als Bühne dienen sollte. Von Geibelsbart nahm eine aristokratische Pose ein und blickte zu den erstaunten Gästen im Schankraum herab, die ihm sein Publikum sein sollten.
Brettschneider schüttelte zweifelnd den Kopf. Keiner seiner Gefährten, dachte er, wirklich keiner, machte sich auch nur im geringsten eine Vorstellung davon, was man alles Aushalten musste, um an ein paar Informationen zu kommen.
Und dann begann es auch schon. Von Geibelsbart imitierte, frei aus seinen Erinnerungen heraus, Nomorius Widerspruch. Mit den Worten: „Bertram von Geibelsbart - Der Eklat - Szene 1“ kündigte sich von Geibelsbart selbst und sein improvisiertes Stück an. Laut und klar schlug seine Stimme durch den Schankraum und versicherte sich so der Auf-merksamkeit der Tavernengäste.
In seiner Rolle des Nomorius aufgehend, erläuterte von Geibelsbart seiner Zuhörerschaft eindrücklich, dass weder das Imperium noch der Imperator selbst der Höhepunkt der menschlichen Zusammenlebens sei.
Viel mehr, so der gebahrende Bühnenkünstler, sei es der traurige Abklatsch eines Reiches, dass sich vor Jahrtausenden über die ganze bekannte Welt erstreckt hatte. Von Geibelsbart referierte mit elitärer Gestik von einem magokratisch geführten Imperium, das in mannigfaltiger Weise, dem Reich Sigmars überlegen gewesen war.
In der Taverne der Sieben Schwerter, im Herzen von Altor, war es bedenklich still geworden. Brettschneider fragte sich noch, ob von Geibelsbart sich seines Publikums bewusst war. Es mochte schon der Wahrheit entsprechen, dass ein Großteil der Bewohner dieses Distrikts, dass Imperium nicht ganz freiwillig verlassen hatte. Das jedoch, war nach Eberhards Einschätzung, keinesfalls damit gleich zu setzten, dass die Anwesenden es unterhaltsam fanden, wenn ein drittklassiger Bühnenspieler das Reich von Sigmar Heldenhammer und den eigenen Wurzeln verunglimpfte.
Brettschneider hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, als ein mit Bier gefüllter Humpen quer durch den Schankraum flog und seine soeben gemachte Einschätzung bestätigte. Zielsicher schlug das improvisierte Wurfgeschoß in von Geibelsbart Gesicht ein. Brettschneider hörte noch das trockene brechen des Nasenknochens und sah Bier, Blut und Schaumkrone spritzen, bevor der Krug in unzählige Scherben zersprang, die sich tief in von Geibelsbart Gesicht schnitt.
Schwer getroffen, stürzte von Geibelsbart, steif wie ein gefällter Baum von seiner Bühne. Ungebremst krachte der Darsteller in das große verzierte Regal, hinter der Theke. Als das Regal unter der Wucht des Einschlags zusammenbrach, verwandelten sich die vielen verzierten Karaffen und unzähligen Weinflaschen, begleitet von einer beeindruckenden Geräuschkulisse, in ein Meer aus Gischt und Scherben.
Der in Ungnade gefallenen Leihendartsteller verschwand unter freudigem gejohle aus dem Sichtfeld seiner Zuschauer und wurde krachend und scheppernd unter den Trümmern aus Glas, Ton und Holz begraben.
Eberhard konnte sich nicht erinnern, ob er je von einem schnelleren Aufstieg und Fall eines Bühnenfiguranten gehört hatte. Diesen Rekord musste man von Geibelsbart vermutlich zugestehen.
Obwohl nur noch ein schmerzhaftes Stöhnen und keuchen unter dem Berg aus Scherben und Bruchholz hervor drang, war das Publikum noch nicht fertig mit dem Akteur der darstellenden Kunst. Ein Mob aus Sigmar getreuen Kumpanen zerrte den lädierten Adeligen unter den Resten des Regals hervor. Der so gut wie besinnungslose von Geibelsbart verlor an diesem Abend sein gesamtes Hab und Gut. Der Tavernenvater pochte, wie Brettschneider fand zu recht, auf eine Wiedergutmachung für seine verlorene Sammlung edler Tröpfchen.
Unter wüsten Beschimpfungen, weiteren Tritten und Schlägen wurde der schlaff, in den Fängen seiner Häscher hängende, von Geibelsbart zur Tavernen Tür geschleift. Erst als von Geibelsbart mit einem dumpfen Aufschlag, die Pflastersteine vor der Taverne der Sieben Schwerter küsste und die Tür geräuschvoll hinter ihm zuschlug, beruhigte sich die Menge langsam wieder.
Brettschneider nahm einen Schluck von seinem Wein. Was sollte man machen?
Die darstellende Kunst war, ein härteres Geschäft als die meisten sich Vorstellen konnten. Brettschneider resümierte, dass die Vorstellung am Ende vielleicht doch gar nicht so schlecht gewesen war. Zumindest die Reaktionen des Publikums in der Taverne der Sieben Schwerter dürften ähnlich ausgefallen sein, wie jene im Auditorium der Universität zu Nuln. Insgeheim fragte er sich, ob es diese Art von Inspiration war, nach der von Geibelsbart gesucht hatte.
Eberhard kreist Nuln mit dem Kohlestift ein. Nomorius hatte also die Historie der Alten und Neuen Welt studiert, zumindest bis zu dem besagten Eklat. Viel wusste Eberhard nicht über die Universität in der Stadt der Regentin Debora von Nuln. Lediglich das sie zu den berühmtesten in den ganzen Königslanden zählte. Die Gebühren, die für ein Studium aufgebracht werden mussten waren enorm. Wie hatte Nomorius das aufbringen können? Hatte er damals schon über die Sihedron Münzen verfügt? Oder bezog er weiterhin Unterstützung seines wohlhabenden Gönners?
Weitere Fragezeichen.
Eberhard griff erneut zum Wasserkrug und ging ein paar Schritte. Er durchquerte das geräumige Gemach und Trat auf die Terrasse. Noch immer wehte kein Wind, dafür brannte die Sonne um so heißer. Schnaufend zog er sich gleich wieder in die Schatten seines Quartiers zurück. Im inneren war es kühler, dass jedenfalls probierte er sich einzubilden. Seine Augen fixierten die nächste Etappe des Propheten.
#Altdorf.
Unmittelbar nachdem Brettschneider seine Korrespondenz mit Nomorius begonnen hatte, war er beinah täglich bei den Predigten der Goldenen Ordnung gewesen. Er hatte den Wuchermarkt in seine tägliche Routine eingebaut. Brettschneider hatte die Hoffnung gehabt, hier am meisten über den Goldenen Propheten erfahren zu können.
Als bald hatte er gewusst, das Nomorius sich selbst nur zwei bis dreimal die Woche die Ehre gab. An den anderen Tagen überließ er die bekehrenden Ansprache seinen Aposteln. Brettschneider bezeichnete die Apostel leicht abwertend nur als die Akolythen der Gier.
Sie waren es, die den Kern des Kultes bildeten und das tägliche Werk verrichteten. Neben Nomorius empfing das Publikum vor allem einen Akolythen der Gier mit großer Begeisterung. Der Apostel der lediglich als Lord K betitelt wurde, war groß gewachsen, hatte eine stattliche Statur und sprach mit einem unverkennbarem Altdorfer Akzent.
Es kostete Brettschneider einiges an Aufwand und Mühe, um in Kontakt mit Lord K zu kommen. Längst nicht jeder wurde zu einer privaten Audienz vorgelassen.
Es war an der Zeit gewesen, eine passende Scharade zu inszenieren. In der Rolle des aus dem Imperium verstoßenen Kaufmanns, war es Brettschneider gelungen zu Lord K vorgelassen zu werden.
Überraschend hatte Brettschneider feststellen müssen, dass der Apostel eher von der geselligen Sorte war. Was vielleicht auch daran gelegen haben mochte, dass Brettschneider in seiner Rolle des wohlhabenden Kaufmanns, dem Kult eine beträchtliche Spende in Aussicht gestellt hatte.
Abgesehen von den großzügigen Einladungen zu Speis und Trank, hatte Brettschneider aber nicht vor dem Kult auch nur einen Kupfer zu überlassen. Hier musste der Schein ausreichen. Lord K stellte sich Brettschneider als bald als Franz von Karheim vor. Wie erwartet war Altdorf einst seine Heimat gewesen.
Während des großen Umbruchs, als das Imperium an einem Scheideweg stand, war er gemeinsam mit Nomorius aus dem Herzen des Imperiums geflohen. Mit Franz von Karheim hatte Brettschneider letztlich die besagte Münze im Drachenhort gefunden.
Von Karheim und Nomorius hatten einen langen gemeinsamen Weg hinter sich, der vor mehr als einem Jahrzehnt in Altdorf begonnen hatte. Nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme ließ Franz von Karheim Brettschneider an einem der gemeinsamen Abende wissen, das er bereits bei seinem ersten Zusammentreffen mit Nomorius von dessen Utopie fasziniert gewesen war.
Durch sein rhetorisches Geschick beeinflusste Brettschneider in gekonnter Weise den Gesprächsverlauf. So erfuhr er, das Franz von Karheim gemeinsam mit Nomorius an der imperialen Akademie der Magie zu Altdorf studiert hatte. Brettschneiders Wissen über die berühmteste Schule der magischen Künste des Imperiums wies allerdings bedenkliche Lücken auf. Er war sich nicht sicher gewesen, meinte aber gehört zu haben, das die Akademie sich in fünf unterschiedliche Schulen unterteilte. Franz hatte ihn lächelnd korrigiert. Das die acht Schulen, sich nach einem Farbsystem ordneten und jeweils einem der Winde der Magie entsprachen war für Brettschneider so neu wie uninteressant gewesen. Entsprechend zog die Erklärung, wieso die Winde der Magie eher als Strömungen zu verstehen waren und welchen Einfluss das Gewebe auf die Farben der Magie hatte, durch Brettschneider hindurch, wie eine Böe durch ein offenes Fenster.
Rückblickend erinnerte sich Eberhard, das er bei den Ausführungen von Karheim’s, wie auch schon zuvor in den Gesprächen mit Thafaris Schattenend, gerne auf das fundierte Wissen seines guten Freundes Joachim von Schwertwall zurück gegriffen hätte. Brettschneider folgte seiner neuen Strategie in solchen Situationen und brach das gehörte auf ein Minimum herunter.Was er verstand war, dass jede Farbe der Magie einer der arkan-akademischen Traditionen entsprach. Jede Tradition brachte eine spezifische Disziplin des Zauberns hervor. Die systemische Ordnung der Farben und der Akademie basierten auf den Lehren Teclis des Lords der Hochelfen. Brettschneiders Allgemeinwissen hatte ausgereicht, um zumindest von dem legendären Elfen Lord schon mal gehört zu haben. Auch wenn Teclis für ihn eher in die Kategorie Sagen und Legenden viel.
Durch Franz von Karheim hatte Brettschneider erfahren, dass Nomorius nach Altdorf gekommen war, um den Chamon, den gelben Wind der Magie, zu studieren. Die Lehren des Chamon oblagen traditionell der zweiten Schule der Magie. Geführt wurde diese Fakultät wiederum vom Goldenen Orden. Eberhard erinnerte sich kurz aufgelacht zu haben, als Franz von Karheim ihm vom Goldenen Orden erzählt hatte. Natürlich, hatte er gedacht, wer außer einem Goldener Orden konnte einen Goldenen Propheten hervorbringen? Wie recht er damit behalten sollte, war für ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar gewesen. Das Amüsement war Brettschneider aber direkt wieder vergangen. Von Karheim hatte ihm erzählt, dass die Zauberer des Goldenen Ordens als Handwerker der Magie, der Runenkunst und der Thaumaturgie die Akademie verließen. Die Thaumaturgen und Alchemisten des Goldenen Ordens galten als die Elite ihrer Zunft. Sie waren die Meister des arkanen Handwerks und genossen einen herausragenden Ruf in den Königslanden.
Eberhard blickte auf eine seiner Notizen auf der zu lesen war „alchimistische Thaumaturgie“. Er erinnerte sich daran, aufgehorcht zu haben als von Karheim ihm erzählt hatte, das Nomorius den schwersten Zweig der zweiten Schule belegt hatte. Nomorius war in Altdorf dem Pfad der sogenannten transmutations Magie gefolgt. Dieser arkane Pfad gehörte zu den schwersten Disziplinen der Akademie. Sie erlaubt ihrem Anwender mittels des magischen Gewebes , die Form, Substanz und Eigenschaften von lebenden oder nicht lebenden Dingen zu manipulieren beziehungsweise zu verändern. Bei ihren zurückliegenden Verstrickungen in die Machenschaften des Runenherrschers der Gier, hatten sie Hinweise darauf gefunden, dass Karzoug den Pfad der transmutations Magie vollendet hatte. Zu den vielen arkanen Legenden um den Runenherrscher der Gier, gehörte ein ganzes Sammelsurium von Geschichten, die ihn als Schöpfer unzähliger Mischwesen bezeichneten, die bis heute durch die Welt streiften. Darüber hinaus wurde ihm zugesprochen, sich selbst in einen Riesen transmutieren zu können und angeblich konnte er auch Fleisch zu Gold verwandeln. In der geräumigen Suite des Alt Kemperbads sortierte Eberhard seine Gedanken.
Die Abende mit Franz von Karheim waren durch aus aufschlussreich gewesen. In ihm wuchs der Verdacht, dass Nomorius überaus ambitioniert versuchte in die Fußstapfen des untergegangen Runenherrschers zu treten. Er heftete den Gedanken an die Wand und griff nach einem weiteren Stapel an Notizen, die sich mit den Ursprüngen der Goldenen Ordnung beschäftigten. Die Treffen mit Franz von Karheim waren abendfüllend gewesen und gaben Aufschluss über Nomorius Zeit an der imperialen Akademie der magischen Künste.
Brettschneider hatte mit Interesse zugehört als Franz von Karheim ihm erzählt hatte, dass es seit jeher, eine Vielzahl von Zusammenschlüssen und Verbindungen der Studierenden an den Schulen der Magie gegeben hatte. Es hatte ihn nicht wirklich verwundert, dass es zum gewöhnlichen Brauchtum der Akolythen der Akademie gehörte, das einige dieser Verbindungen im geheimen agierten. Folgerichtig hatte es Brettschneider auch nicht überrascht, dass Nomorius sich diese Tradition zu nutzen gemacht hatte.
Der angehende Prophet, hatte in den Gewölben der imperialen Akademie, die Goldene Ordnung ins Leben gerufen. Die Namensgebung war eine sehr bewusste Wahl gewesen. Eine provokante Anspielung auf den Goldenen Orden selbst. Nomorius verstand ihn als Kritik und Selbstermächtigung gegenüber der zweiten Fakultät, der imperialen Akademie der magischen Künste.
Er warf dem Goldenen Orden vor, sich seit seiner Gründung mit Errungenschaften zu schmücken, die nicht durch eigenes bemühen erlangt worden waren, sondern im wesentlichen auf den Lehren der Runenmagie basierten.
Die Goldene Ordnung agierte im Geheimen und gab Nomorius ein Forum für seine Ideologien. Viele Theorien und Ansätze, die Nomorius in der Goldenen Ordnung verbreitete basierten auf den Idealen und Herrschaftsstrukturen des untergegangenen Reiches der Runenherrscher. Franz von Karheim hatte eher beiläufig erwähnt, das er zu den ersten Mitgliedern der Verbindung gehört hatte. Für ihn bildeten Nomorius Utopien, damals wie heute, die Vision einer vervollkommenderen Welt.
Brettschneider hatte der Gedanke beunruhigt, dass aus der imperialen Akademie zu Altdorf, Zauberkundige hervorgingen, die bereit waren Nomorius Idealen zu folgen.Viele der Absolventen der Altdorfer Akademie bekleideten nach ihrem Abschluss wichtige Posten in den Königsländern. Sein Magen hatte sogar angefangen zu krampfen, als von Karheim darüber sprach, das zu den Mitgliedern der Goldenen Ordnung auch Akolythen der Tempelschulen gehört hatten.
In Brettschneider stiegen Erinnerungen an die Zeit des Umbruchs auf. Es wäre nicht das erste mal hatte er gedacht, dass das Imperium es mit einem Feind aus den inneren Reihen zu tun bekam.
Gegenwärtig wies, den Göttlichen sei dank, nichts darauf hin, das die Goldene Ordnung außerhalb von Maracasar aggierte. Brettschneider hatte, für ihn ungewöhnlich, ein schnelles Gebet an die göttliche Ildarin gesandt, mit der beschwörenden Bitte, das dies auch so blieb.
Wenn er es richtig verstanden hatte, war die Goldene Ordnung in ihren Anfängen eine Art Zirkel von Gelehrten gewesen. Vorwiegend genutzt, um zu debattieren. Thematisch lag der Fokus zum einen auf arkanen Theorien. Dem Goldenen Propheten war es nach Franz von Karheim mehrfach gelungen, das Prinzip der acht Schulen der Magie und die damit verbundenen Lehren Teclics infrage zu stellen. Als von Karheim probierte, den magietheoretischen Ansatz dem Nomorius folgte darzulegen, war in Brettschneider wiederholt der Wunsch aufgekommen, nach Joachim von Schwertwall rufen zu lassen.
Von Karheim war es aber erneut gelungen, einfache Worte für komplexe Zusammenhänge zu finden. Was Brettschneider verstand, war das Nomorius behauptete, das die Lehren der imperialen Akademie der magischen Künste im wesentlichen auf den Errungenschaften der Runenherrscher basierten.
Anhand der Methodologie der Runenherrscher leiteten sich die unterschiedlichen Formen der Magie nicht von den Winden der Magie ab, sondern von den sieben Tugenden der Herrschaft. Die da waren Reichtum, Fruchtbarkeit, wahrer Stolz, Überfluss, eifrige Strebsamkeit, rechtschaffener Zorn und Ruhe.
Nomorius hatte seine Thesen unterstrichen, in dem er aufzeigte, das die Lehren, welche an der zweiten Schule der Magie durch den Goldenen Orden gelehrt wurden, auf die Runenmagie Karzougs zurück zuführen waren. Er hatte dies Bewiesen in dem er Äonen alte Schriften des Runenherrschers präsentieren konnte.
Die Goldene Ordnung begrenzte ihre Debatten nicht auf arkane Ansätze vergangener Epochen. Neben neueren Magietheorien wurden auch verschiedenste Formen der Herrschaft, mit der eine Nation regiert werden konnte, diskutiert. Aus von Karheims Perspektive war Nomorius in vielfacher Hinsicht ein Vordenker. In langen Kolloquien hatte der Goldene Prophet dargelegt, wie anfällig das Imperium, das auf den Lehren Sigmar Heldenhammers basierte, gegenüber einer fortwährenden magokratischen Ordnung war. Nomorius nutzte auch hier das Konzept der sieben Prinzipien der Herrschaft, um eine entsprechende Gesellschaftsordnung aufzuzeigen. Franz von Karheim hatte in Erinnerungen geschwelgt und von Debatten erzählt, die bis tief in die Nacht gingen. Seinen Ausführungen nach hatten sie stets das hehre Ziel vor Augen eine perfekte und umfassende Ordnung zu schaffen. Tatsächlich hatte der Goldene Prophet, während dieser Zeit, der bestehenden Methodologie der Runenherrscher ein achtes Prinzip der Herrschaft hinzugefügt. Die Tugend des wahren Glaubens. Glaube war nach Nomorius ein bedeutender Aspekt für das Etablieren einer Ordnung. Leidenschaftlich hatte der Goldene Prophet schon damals auf dem Podium von der Rückkehr in ein goldenes Zeitalter gesprochen, wenn gewährleistet werden konnte, das eine Ordnung nach diesen acht Prinzipien etabliert wurde.
Im obersten Zimmer des Alt Kemperbads erinnerte sich Eberhard auf seine Mitschriften starrend, wie sehr es ihn gewundert hatte, das Franz von Karheim so frei und offen mit ihm, über all das gesprochen hatte. Er war überrascht gewesen wie wenig geheimbündlerisch der Apostel sich gab. Es schien fast so, als hätte die Goldene Ordnung den Mantel der Verborgenheit abgestreift.
Warum auch nicht? fragte Eberhard sich selbst. Die Goldene Ordnung agierte nicht mehr in Altdorf. Und Haeven bot allen die Freiheit, den eigenen Idealen und Prinzipien zu folgen. Es war ein Grundprinzip des Piratenhafens, das niemand aufgrund seiner Weltanschauung oder den Prinzipien denen er folgte, etwas zu befürchten hatte.
Eberhard erinnerte sich, dass Franz von Karheim noch viel tiefer in die Thematik eingestiegen war, er aber nicht weiter zugehört hatte. Nicht weil sein Verstand erneut drohte auszusetzen, sondern weil er noch während des Gesprächs die Bedeutung hinter den Worten von Karheims zu begreifen schien.
Eberhard starrte auf die Wand. Ein Außenstehender hätte leicht denken können, dass das Oberhaupt der Gesellschaft für Abenteuer und Erforschung von Maracasars gerade weg durch sie hindurch blicken konnte.
In Wahrheit resümierte er die Gedanken jenes Treffens, mit Franz von Karheim. Nomorius war von Tiefwasser nach Altdorf gereist. Vorwiegend, um seine arkanen Studien zu vertiefen. Eben hier, im Herzen von Sigmars Reich lag auch die Geburtsstunde der Goldenen Ordnung, einer geheimen Loge, die der wagemutigen Aufgabe gefolgt war, Alternativen zur bestehenden Strukturen zu entwerfen. Was, wie Eberhard wusste, im Imperium bis heute ein durchaus gefährliches Unterfangen war.
Was als geheime Verbindung in der imperialen Akademie der magischen Künste entstanden war, war zu einem Kult gewachsen. Einem Kult, der sich um einen charismatischen Anführer mit einer klaren Vision formierte. Der Vision nicht nur eine Nation, sondern die ganze bekannte Welt in eine neue, goldene Ära zu führen.
Eberhard, war sich längst nicht mehr sicher, ob es sich bei Nomorius um einen fehlgeleiteten Geist handelte. Er gewann mehr und mehr den Eindruck, dass der Goldene Prophet einen strategischen Plan zur Etablierung eines neuen Zeitalters verfolgte.
Aus Eberhards Perspektive wurde Nomorius ambitioniertes Streben, von einer ordentlichen Brise an Größenwahn begleitet. Dennoch war er zu dem Schluss gelangt, dass dieses Streben nicht ausschließlich auf einem von Wahnsinn zerfressenen Geist einer untergegangen Epoche zurück zu führen war.
Eberhard betrachtete den Werdegang des Goldenen Propheten, den die Schautafel, an der Wand des Alt Kemperbader Gasthauses, eindrücklich visualisiert hatte. Nomorius hatte in Tiefwasser seine Kentnisse der Runenmagie erworben, in Nuln hatte er sich mit den Lehren bekannter Magister, zu Macht- und Herrschaft auseinander gesetzt. In Altdorf hatte er seine magischen Studien erweitert und sein arkanes Handwerk perfektioniert. Zeitgleich hatte der Goldene Prophet, der über ein beträchtliches Wissen der Gesellschaft zur Zeit der Runenherrscher verfügte, die Goldene Ordnung gegründet. Auf Basis all seines erworbenen Wissens hatte er, Eberhard zur Folge, sein eigenes Ideal, einer Goldenen Ära erschaffen. Rückblickend sprach aus Eberhards Sicht vieles dafür, dass Nomorius diesem Ideal in all den Jahren konsequent gefolgt war und dies auch weiter tun würde.
Was Nomorius nach Eberhards Einschätzung noch fehlte, war die Macht, die Goldene Ordnung in der bestehenden Welt zu etablieren. Er hegte allerdings wenig Zweifel daran, dass Nomorius, wie andere Herrscher und Vordenker vor ihm, bereit war für das Erreichen seiner Ziele einen hohen Preis zu zahlen.
Eberhard überdachte das von Nomorius gewonnene Bild mehrfach. Es drängte sich die Frage auf, ob Nomorius Geist dem Runenherrscher der Gier ebenso verfallen war, wie der von Xanesha, Lukrezia, Baal Bruchbein oder Mokmurian.
Eine steile These formte sich in Eberhards gedanklichen Analyse. Die der Annahme folgte, dass Nomorius, dem alten Schreckgespenst der Gier nicht diente, sondern vielmehr mit ihm kooperierte. Vornehmlich, wenn nicht gar ausschließlich, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Nomorius wandelte aus Eberharts Perspektive auf einem ebenso schmalen, wie auch riskantem Grad.
Ein erneutes Runzeln legte Brettschneiders Stirn in Falten. Sein Blick wanderte zu einer kleinen Zeichnung, welche die Sihedron Münzen zeigte. Anfänglich war Eberhard davon Ausgegangen, das die Münzen eine Art Artefakt aus der Zeit des Runenherrschers der Gier waren. Wäre dem so gewesen, hätte die Hoffnung bestanden, das die Münzen in ihrer Anzahl vielleicht begrenzt gewesen wären.
Diese Theorie sah Eberhard aber mit den errungenen Erkenntnissen als überholt an. Es war ein betrüblicher Gedanke, aber Eberhard ging davon aus, dass Nomorius Kenntnisse der alchemistischen Thaumaturgie ausreichten, um die Münzen der Gier selbst herzustellen. Vor allem wenn Nomorius mit seiner Magie wirklich in der Lage war Gold zu transmutieren. Mit der Erschaffung der Münzen der Gier, hatte der Goldene Prophet nach Eberhards Ansicht die Grenze seines bisherigen Handeln über Schritten.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Nomorius nicht auf seine Magie zurück gegriffen, um seine Ziele zu erreichen. Die Münzen jedoch beeinflussten, wie Eberhard aus eigener Erfahrung wusste, den freien Willen eines jeden der in ihren Besitz gelangte. Entsprechend stellten sie ein Machtvolles Werkzeug zur Umsetzung des Ideals des Goldenen Propheten dar. Zeitgleich wiesen Sie aber auch die starke Handschrift des Runenherrschers der Gier auf. Eberhard stellte sich die Frage, ob Nomorius Wille noch immer frei den eigenen Idealen folgte oder ob der immer stärker werdende Geist Karzougs, der zurück in die Welt drängte, den Goldenen Prophet letztlich doch korrumpiert hatte?
Ein lautes Klopfen unterbrach Eberhards Gedankengang abrupt. Brettschneider, aus seinem Gedankenstrom gerissen, brauchte einen Moment um sich zu orientieren. Noch einem zum greifen nahen Gedanken hinterher hängend, schlurfte er zur Tür. Doch der Gedanke war verloren.
Mürrisch riss Brettschneider die Tür auf. Elsa, die jüngste Tochter des Gastwirts, stand im Flur. Elsa erledigte Einkäufe und Botengänge für die Gäste des Hauses und war die kleine gute Seele des Alt Kemperbads.
Als Eberhard jetzt jedoch in ihr Blickfeld trat machte sie große Augen und verzog ihr ansonsten freundliches Gesicht zu einer Grimasse des Ekels. Erst da wurde Eberhard klar, wie er sich soeben dem kleinen Mädchen präsentierte.
Hastig zog er den Seidenmantel zu und erlöste Elsa von dem Anblick seines nackten, Körpers an dem dicke Schweißperlen herunter liefen. Eberhard räusperte sich:
„Ähmmm ...Tschuldigung“ war alles was er über die Lippen brachte.
Elsa streckte ihren Arm aus und hielt Eberhard eine Pergamentrolle hin. Er nahm die Rolle entgegen und wollte Elsa noch eine Münze für ihre Dienste in die Hand drücken. Das Mädchen war aber schon auf und davon. Es überraschte Eberhard noch immer, welche Wirkung sein fleischiger Körper auf seine Mitmenschen haben konnte.
Er betrachtete die Pergamentrolle. Er kannte das Siegel. Es stammte von Nomorius. Er hielt das Antwortschreiben auf seinen letzten Brief in Händen. Endlich.
Da seine Gedanken eh unterbrochen waren, gab es keinen Grund das Siegel nicht direkt zu brechen. Eberhard war neugierig, was der Goldene Prophet, seiner Klug gewählten Argumentation seines letzten Schreibens entgegen zusetzten hatte.
Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte, war das dies vorerst Nomorius letzter Brief sein sollte.
[Nomorius letzter Brief]Eberhard setzte sich und las den Brief in aller Ruhe. Seine Stirn zog sich schon während er Nomorius Worte in sich aufnahm in Falten. Bereits als er die letzten Worte des Schreibens gelesen hatte begann Eberhard lautstark zu fluchen.
Kaum hatte er das Schreiben gänzlich beendet, sprang Eberhard auf, schlüpfte hektisch in ein paar Kleidungsstücke und stürzte aus dem Zimmer.
Er musste Joachim finden und zwar schnell.
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